ich habe ein palliettenkorsett

ich z.b.gehe nie früh zum melker
tippe auf seine schulter und sage: was?

ich gehe bloß i. d. werkshalle
wo die großen maschinen sind
und werfe eine hand voll jetons
vor die einsame katze

ich traf einen mann der hatte
einen teerfilm im bart
als die fliege auf dem tresen landete
sagte ich: schlag sie tot

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marshall islands

für diesen tag hattest du fleisch gekauft
alle fugen verdichtet deinen poller bezogen
die südsee schwamm kreise im glas
du konntest nicht aufhören die kleinen
papierkugeln nach dem plastikeimer zu werfen

später bist du auf der hauptstraße ausgerastet
hast dir die bügelfalte im hemd verhunzt
betreten starrtest du auf das ganze
zerstörte obst vor dem gulli
dann hatten die wolken einen plan

was dir einfiel auf dem bauch
das geländer herunterzurutschen
die unterführung ein warmes aquarium
triebst du kopfvoran zurück
ins grinsen deiner zahnleiste

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

irgend.biege.trüblich.

das ist kein versehen. wenn die boote
im wasser torkeln und kühe auf der
alm nachahmen, dann springt mit
schrillem klingeln die kasse auf und
die schüler strömen geschwätzig zu
dem mandelbaum in der mitte des hofs.

nebenbei bemerkt: ich trage sonst
nicht röcke dieser art und im gasthaus
haben sie gänsebraten, denn nichts
bringt so viel kühlung wie ein pullover
voll quellwasser. das müsli braucht ja
niemand zu kauen, es geht offen aus.

gib dem graben vor der brücke zwei,
drei fäuste und er reißt sein maul auf,
als hätten an pfingsten sämtliche kleriker
ihre wohnungen aufgeräumt, die pflanzen
angebracht, die fliegen fressen, alles mit
empfindungen zwischen scham und spaß.

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

LESUNG: Lea beim Kreuzwort-Übersetzungs-Spezial

Am 13.02. bietet die Lesereihe Kreuzwort.Berlin ein etwas anderes Format: Statt der klassichen Autorenlesung präsentieren dort drei Berliner AutorInnen ihre aktuellen Übersetzungsprojekte.

Zusammen mit Ulf Stolterfoht und Norbert Lange stellt Lea Schneider dort ihre Übersetzung des Langgedichts „gegen alle organisierten lügen“ (反对一切有组织的欺骗) des chinesischen Lyrikers Yan Jun vor. Das Besondere: Dazu gibt es eine Originalaufnahme von Yan Juns eigener Lesung/Sound-Collage des Gedichtes in Peking.

Los geht’s um 20 Uhr im Damensalon in der Reuterstraße 39, mehr Infos gibt’s wie gewohnt auf der Seite von Kreuzwort. Kommt zahlreich, wir freuen uns!

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winter. phasen

kleines gekräuse im schweinehafen. die finger im inneren drinnen.
ein telefon das klingelt. es ist mir böse gesinnt.
mach ich wasser auf? gehen die fasern ins mehl? schau
einmal zu lange hin und die säge klappt. nein dazu in jedem fall.
du hast das sicher schon tausendmal gesehen. wie steine
gehen am berg. das ist wofür man zahlt. in phasen.
zieh ich gesuche im kreis. die kleineren westen. rings
das wasserreich. das grüne meer. sag mir:
wer kam mit dem WIE an land? wer brachte das scheusal
zur tür herein? wir reden von einer menge holz.
im boden modern das hört nicht auf. ganz u.
wie wind nur andersrum. was wird daraus?
ein pflaumenbaum (wenn ich es will).
ein astronautenfutter.

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

unwild.stößel.flur.

niemand wünschte mir einen guten
morgen, als ich verstörte natur betrat.
es war spät, die sperber flöteten
sehnsucht wie trockene tafelkreide.

mir war aber nicht nach der saloppen
flachsigkeit ins schilf geworfener
kinderspucke. sie blickte ihm lose
in die augen, sprach von patriotismus

und nahm einen harten schluck.
er hinterher, die augen aufgezerrt,
dass alle himmel chöre aufstellten,
streng in reihe, mit liebe im mund.

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

_______________________ Man muss noch Chaos in sich haben, ______________________u um einen tanzenden Stern gebären zu können.

mein Handy braucht drei Versuche, um Meer zu schreiben
ich packe meinen Koffer und
trete noch auf der Schwelle in einen Haufen Codes

so treffen wir auf einander
versuchen uns grammatikalisch zu verführen
ziehen an Kleidungsstücken

doch statt uns nackt zu finden
bedecken wir Schamlippen und -löcher
mit Worten einer aufgerüsteten Sprache

mit ordentlichen Papieren, Worten und Buchstaben reisen wir
in Ausländer
animiert noch manövrieren wir uns durch Stadt

bis

ans Ende des Alphabets
wo wir aufhören Recht zu haben
und uns
zu vertragen
wo
wir uns jetzt auf Bäumen
befinden und Meer malen
ein- und auslaufen
passieren was wir wollen
das Wasser
lassen wir in den Straßen spielen
kehren den Worten
einen sauberen Rücken

Wellen schlagen schon an Füße, Beine, Köpfe

Veröffentlicht unter Helene Könau, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

volksbühne

die bahn an der station
spielt ihr akkordeon vor
madrid auf barrikaden

sommer ’46 und gläser
in augenhöhe gehoben
ihn hat es weggerissen

aber du siehst goebbels
dort mit einem strohhut
keltert er frische trauben

unter den neubauten das
archiv der knochen wollte
dir die hand noch reichen

(Textmaterial: Ich hatt‘ einen Kameraden
& Hans-Beimler-Lied)

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

[die zweite kühle front]

sich am winteranfang aufzuhängen
führte weit bei diesem pegelstand
nach oben schwappte kühl der bug
bis er die kleinsten zweige mühelos durchglitt
in seiner fahrspur dann was diese spülte
sorgte pflichtbewusst für zeitenschmuck
im baum gestrandet taufgeschenklich
zeichen eines fröhlichen erwachens
nichts was je aus einer flasche kam
die plane die man alles konnte
nur vergessen kaum

dem kübelgut zum besseren
war sie entliehen
aus dem flächigen
bis sich der wind ihrer bemächtigte
und einen erhebenden moment später
die zweite kühle front
in die krone fegte
die sich wehrte und zu fetzen
jenen antrag zu zerreißen ansetzte
davon blieben aber letzte
das geschrei war ohne ende

wie kommt der müll in diesen baum
dort reicht der arm der reinigenden gar nicht hin
und wenn es nacht wird alles ruht
bis auf den wind
dann gruseln wir uns vor dem rascheln dieser fetzen

schrien sie und kamen angerannt
als auch das jahr mit seinem kreuzer
einer abschussrampe voll von flaschen gestellt
in die straße bog um sich erneut
mit rotem pulver zu besudeln
jemand würde kommen und die hand ausstrecken
jene fetzen aber würden hängen
nicht mal biodegradabel wie die einkaufstüten heute
bis zum frühling da sich laub darüber breiten
und das rascheln selbst noch übertönen
und der winter wiederkehren würde

so kommt der müll in diesem baum zum vorschein
an dem langen arm nun einmal zusätzlich beringt
und wenn es nacht wird alles ruht
bis auf in dieser straße
dann wird abgestimmt wie jenem beizukommen ist
mit handlichem geschütz

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

i will not walk with the dog II

jetzt bimsstein. weiter
weiter nicht. im büsch im
warst du sag

die straßen: grup-pier-ung
häufen die sich. jetzt
im schmütz die

so? fragen was machen die
farben. mit uns sagst:
was. ah

gehs. die? platanen
am p-lock. sh sh
streich: weiter

und weiter: nicht alle ein ein
gehen um-here. um.
und hohe

am hand. da. vorbei jetzt
bims. ein arm-y. umme
schluchten WO

was soll dass sein? ist
käfer daruff ist
klein.

ist inne. gutter
brauch keinem
daruff rein komm (komm)

spricht a-ber
mach auf sie
macht nichtt

so schlimm. so
nicht nicht planeten nicht
nicht

sind alle fast
dass. und gehen man
finger hoch. tuch

daran. WO zum ge
lauben heißen
dann käffer. innen

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar