flug.prahler.bahnen.

die rede des stadtrats teilt die zuhörer
entzwei. niemand glaubt, die malerei
habe tatsächlich ihre kinder gefressen.
als ein verstockter bahnwärter über die

schleuse hastet, flattern anderswo
pamphlete selbstvergessen durch das
gedränge. wenn man genauer hinschaut,
hat stolz nur scheinbar etwas porno-

graphisches, worauf der junge hässlich
lacht und an den armen der mutter
reißt. ich bin nicht aus holz geschnitzt,
aber ungeduldig gegenüber regen.

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LESUNG: Max Czollek // Lange Lyriknacht // 3.2.2012

Am Freitag, den 3.2 findet die lange Lyriknacht des Verlagshauses J.Frank in der z-Bar statt. Es Lesen Björn Kuhligk, Ron Winkler, Florian Voß, Birgit Kreipe, Asmus Trautsch, Mikael Vogel, Jinn Pogy und Max Czollek (G13). Beginn ist 21:00. Wer Czollek hören will, sollte nicht nach 22 Uhr kommen. Es gibt Texte aus dem Skript. Danach Lyrik aus dem Glas – das Adjektiv „lang“ ist erfahrungsgemäß sehr nachtumfassend gemeint. Infos gibt es auch HIER

Z-Bar // Bergstraße 2 / 10115 Berlin
Ab 21:00 Uhr // Eintritt 5,- €

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kapitel 29

beim zahnarzt suche ich
nach einem lächeln in
haufen schneidezähne

diese weise, orangen ihre
bekleidung abzunehmen
scheint mir angemessen

abschiede müssen stets
in schreibwarenläden
ausgehandelt werden

damit meine ich pläne
für die sonntage danach
etwas ohne erinnerung

(für lea)

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PUBLIKATION: Paula in „Der Greif“

Schon eine Weile draußen und immer noch ein lohnender Kauf: DER GREIF, ein dicker Packen Fotos und Gedichte. Mit dabei our very own Paula. Alles weitere hier.

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hölzer.sparten.suhl.

die bequemlichkeit ist ein ort der küche.
auf dem dunklen holz des tisches lassen
sich melonen zerquetschen, ohne zu schreien.
du kannst an der wand horchen oder

am fluss spazieren gehen. wenn sie dich
erblicken, springen die hunde vor angst
in die einkaufstüten ihrer frauchen. ein
bündel langer ärmel hältst du in der faust.

eigentlich wolltest du aber schreiner werden
und hin und wieder singen. es ist so eng
zwischen den geräuschen am mittag, man
schürft sich das knie auf und die zeit springt.

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honky tonk parade

da liegen berge von spreu in der stadt
spelzburgen hammelbeine
du gehst vorbei zählst tellerlinsen
von rechts nach links
durch deine westentaschen

was so geht
der großen bildmaschine
im stirnraum nachgeben
die kurbelt dir vegas plus wüste
ins aufgespannte panorama

kleiner einbruch
windhecken tumbleweeds
kann jeder n lied von
pfeift leitern rauf und alles affe
leierkasten kleingeldblues

du schmeißt deinen schirm
gleich acht meter hoch
verzichtest auf regen
suchst deinen highway
kaust weiter auf stroh

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

perpetuum mobile

skelett aus gehirnscherben an dem hänge ich perpetuum bin
agil die geschichte daraus ergibt viele körper ich wollte sie
zählen aber die zahl war jedesmal anders und die ich erfasste
veränderten sich sobald ich nicht hinsah verlor ich den überblick
entschied mich stattdessen silhouetten zu lernen prägte mir
nacken ein dependente hydra hatte die logik der bewegung
scheinbar begriffen kalkulierte schattenspiele prophezeite nach
der windrichtung ein zucken der linken hand oder ein winken
des brustkorbs                      da entdeckte ich einen schmerz
zwischen ober- und unterarm spürte ich ihn in der kuhle im
gewimmel erkannte ich nicht zu wem er gehörte er blieb ein
phantom eine haut an die falsche stelle gewachsen zu alt um sie
zu lösen ich habe alles versucht schnitt stücke heraus aber sie
wuchs und wuchs und ich wurde schwer und fing an mich zu
versteifen und  immer schneller um diese stelle zu drehen

Veröffentlicht unter Tabea Xenia Magyar, TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

(ohne titel: wald)

kurz hatte etwas aufgehört wieder anfangen
abrisse morse die durch die sträucher gehen wie außerhalb
schichten alles was denkbar ist schlagbäume moos anderweitig

wenn du ganz weit gelaufen bist ganz weit gelaufen
kleine abhilfen immer is irgendwas zausel im nacken
hackebeilchen in der hand drunter verschlagenes im unterholz

baust dir burgen ofenschloss  aus vierkantleisten tarnnetzen
seis dahingestellt  auf der lichtung bleibt der boden aus
die neue hütte hält nicht hält nicht dicht

umstände bedauern schwache organe immer is irgendwas
nicht so schnell musst das alles anfassen alles berühren können
nicht mehr im wald sein am regen lecken tröpfchen schnaufen

denkbar zwei silben kürzer als ne sekunde und die nägel
halten die fundamente zusammen du weißt das kannst das
alles sagen alles hinstellen den weg zurück finden oder bleiben

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

(ohne titel)

draußen liefen ein paar trockene flecken
unter schirmen durch die stadt
fiel wieder so ein morgen vor die füße
als hätte man nicht aufgepasst

gab es ein drinnen, gab es trotziges licht
auf dem küchentisch das radio
ein mittel gegen die ungeduld
in schubladen wo man nicht hinkommt

hätte man etwas sagen können
z.b. zu den frischgeerbten krümeln
auf dem küchentisch die ganzen reste
von dummen, zerbrechlichen vögeln

die waren früher mal überall
wie billige sektgläser
wenn sie splitterten wusste man
das war der falsche ton

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

(ohne titel)

ich besitze taschen
gefüllt mit knöpfen
von menschen die
treffe ich zu selten

finger denen sieht
man an sie haben
bonbons gesucht
in fremden ohren

zimmerpflanzen
die so aussehen
wie ich niemals
werden wollte

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar