Gegen drei verloren wir unsere Uhren.

die leere raummitte ließ platz
genug für unsere köpfe an der wand hinter
den posterresten schon länger polyglott oder
verschwommen gestimmt im geteilten
wissen war es ganz einfach musik
für mehr zu nehmen für ein brechen
der dämme im gegenlicht oder
war das deine idee vom vorher hier
kondensiert sich was an den wänden später
sprach das mädchen von den philippinen von
marmeladenglasgroßen einschusslöchern
wir rauchten

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Linus’ „frühling in new york“ über „That’s my people“ (NTM)

frühling in new york

grad aufgewacht schon wieder dämmrig
kaffeegestützt wie mit einem balken das fallende dach
les ich in der u-bahn vom frühling in new york
wippe mit den letzten strahlen und hundert köpfen in die
unterführung zu dir

der ostbahnhof ist so wenig ort, wie einem gebäude möglich,
die polizei hat jetzt maschinengewehre und wir etwas ratlos
hand in hand daneben: dönerstand, obststand und
in einem seltsam leeren dann hinter drei brötchen unten rechts in der plastiktüte
diese uralte frau im schatten

an die vernagelte schwarzwaldhütte pisst ein dicker mann.
man kann das nur noch aufschreiben denk ich und wir reden
noch von den verschiedenen schattierungen der
seltsamkeit gehen heim und
sowas wie uns gibt’s ja vielleicht nur hier

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Gute Nacht, mein Kind

Schlaf ist nicht mehr erholsam
sondern Wettbewerb
Weniger ist mehr.
Hälse recken sich nach einem Mond
der zum Beat glittert
bis keiner mehr den Alkoholdunst wittert
bis keiner mehr von den Flammen twittert.
Schwarz ist nicht mehr dunkel
sondern Wegweiser.
Verlorene Ideen schmiegen sich an und fließen davon.
Abfluss.
Verzettelt mit Kopfhaaren.
All inclusive-Angebot – Jetzt life!
Rohrreiniger inbegriffen.
Wollen wir nicht alle Klempnereien eröffnen?
Beförderungen ans Tageslicht unser Claim

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auch hier „arbeit im Voranschreiten“

12052010          1347            Bauwagen

An den Tagen, den grünen vom Gewand umrandet nass-
nesslig wandzartfarbend so einmalig anmaßend das
Nachhaken und Prozedere von Maientanz in den Bind-
wasserfäden Eimerlachen blütenbachgepaarter Tobsucht
in den Stillen geschlossener Lider, liegen lichtsumpf tränk-
ender Schmähbarken bärbeisig starrgepinselt im Drohnen-
schaum schielend, so weitblickend hinterlegt ein Zwinkern
ein Zucken ein dir-zur-liebe-lieben-sein-lassen im End-
losballet kreisender Pirouettenlaster gestopft an den Ga-
belwegen der Zweigschienen das flüssige Grün

Vom Grün geschält, nass sind die Wiesen nackt sind die
Wiegen die Wiederkehr geburtenhalber Urbarkeit in
den frühtrügen Nebelschweben aus feuchtbachblättrig Ein-
fallt was von damals schallt der Dampf schwand sanft
von Himmelswegen legen Sterne zu Herden aus Ufern
im Graß fragend als ein Eisdorn wortverzwirbelt, im
Zwirngespinn schmelzend zur Irsinnodyssee, wie als wenn
man Äther unter Atem schlüge so traumhässlich tau-
nesslig betäubt den Anfang vergäße das schützende
Gewand der ersten Tage frisch siebend den Sumpf aus dem Grün

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | 6 Kommentare

(fetter summer / ein paar verkappte feen)

für niemand sandiggestimmt singen heißt mit unter-
schweren kräften ausgesetzt tief zu schwalben also
falben atems staubenbaum ins große lila führen
rüblich vom grasenden sockel: hier rings verfehlt
rebsames selbst sich im büschenden licht was verstört
(dass jemand nicht weiß wie anwesenheit geht) das
ist wie der abfall vom schaum unterm meer (alles sehr
fern) außer geraumes strauben von pflaumen falls
licht falls nicht am lila lobetdenherrn hinter igelnden
beeren verwest die holprigen wolken im leeren lauf
(im düstern darauf gerüstet) die unstimmen
tontrauben ganz ganz südernder dichte

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

(summa summarum)

von rings herumgeruch bewuchert stumm wie u-bahnduft der
herbsten augen hinter schlosse blütensackzerwacht und ach
der regen wehnen wechsel vor der scheibe tropf: was macht
die biene hier im augenstrand aus schlaf sand-tropfen gelb aus
brauenuntern sonnenfehlen traubenweich samt traumleichen
wasser wein ich hier verliefe liebe ach die macht rein
gar nichts tropf die liebe einst die imitierte kleine tiere wenn
ich haine unter buchen müssen meinte nun so fahl
zumal nun schrein so gar nichts reimte außer tot zu sein

die liebeseim zermoselte so rotgoldenen ton übers moor wie
romhaltige posen mitten blickwipfeln falter schonungen und das
kriechende getier verwunderten wir tief unterm horizont da
sonterten sich dannwann quadranten anderer natur wir handelten
darauf mai einander in randständigkeit trampelpfade blicke zu
sie salamanderstein einrahmen reihenweise: zwei weiher weiter
leiterte kein schreiben je an die blusen wiesenkramschleier
der atemspante: am rand lag gestalt der sanddorn an das schläft
wie wir schläften an äsende ameisen bis jedes alter falterte

ich sunde: zerschlungene rundfahrten mit flugharfen noch nach
drei uhr fuhrwerksam nachtwachsen wie im purpurnen meer
das hehre nachgelass im nachwarmen sagen trage ich spatelspitz
im wöhnischen tagesfleisch wie straßenheisch unwunden drunter:
an der fundstelle blicke rund wütender seltenblüter kaum hauch-
bar die bauchkranichen flüge aus stahlseidener frühlichkeitsbe-
rudelung: im kruden mondgehänge engere wolkenführung das
warten gräulicher laugen rauf die ungeheuer auf taufe gestaucht
und schwerlich die herbsten wege: im schlaf erst regen

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Refrain

Abends sind dieser Jahreszeit schon Karos genug,
Himmel ohnehin und wir können das ja,
glücklich in die Dämmerung fallen,
zwischen aufgeheizten Gehwegplatten reicht
ein entferntes Feuerwerk,
Grillgeruch hinter Zäunen, ein Vogeldreieick und
Schwalbenrufe hinter den Kirschbäumen,
wo wir unsere Meinungen in Fugen gelegt haben
wo tags Licht im Bach gefangen spielt
in unseren Wiederholungen
sind wir alle
was

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

das wird nicht gut

I.
das wird nicht gut das ist nicht leichter
geworden mit den jahren juckt das auch
nicht weniger frage ich was geht den weg
von bild zu bild dazwischen jene untiefen

hier ist jemand der nicht noch im
miesesten tümpel mehr sieht als das
eigene zerrbild in farbe also so sehr
tiefseetaucher ist dass er bloß noch
auf den großen tintenfisch wartet

keiner braucht diesen kitsch keiner
hat die absicht optimismus zu verbreiten
sehgewohnheiten unterm strich sind
schonhaltungen mehr nicht: das wird

bleibe ich sitzen auf einer parkbank vor
trüber brühe mit schnorchel und brille
finde ich mir ein paar bedeutungen
den maßstab meiner möglichkeit

II.
ihr müsst jetzt stark sein, fische!
mein linker rechter platz ist frei

kieme sucht see! irgendwo findet sich
vielleicht noch ein wenig o2 in diesem
sauren gewässer spiegelt der himmel sich bunt
wie eine werbekampagne nicht mehr lange
dann wird wasser wein (bestimmt kein guter)
das klingt hier fast prophetisch oder wie zitiert
aus einem bilderbuch der singsang ‚alle-meine-
-köder‘ jetzt wird ernst gemacht bis keine
schuppe auf den augen bleibt kein fischbauch
mehr weiß: den verdauungstrakt zur oberfläche
– ich will euch riechen können!

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

immer, wenn mein auge liest, beäugt die lese des eben
geschehenen sich (wieder) neu. denn mein raum räumt (so
gelesen) seine ordnung auf, zu brechen, und ich weiß: auch,
wenn ich schreibe, bin ich (schrift) im besten fall versiert, zu-zu

sortieren. das reicht (manchmal), in meinen augen, platz zu glauben,
ernst zu nehmen: ich bin draußen, und: pflanzen-pflanzen. das
eben gesehene geschieht mein schreiben um, ich nehme nun
das vegetieren wahr, auf aus insekten, deren rumsummen sich

in meinem horchen neu bewahrheitet. die ohrmuschel ist mein
gehör (meer), hört mehr, als das tiere rauschen, schiere tauschen
pflanzen hier. und immer, wenn dann langsam klang-klang die
oberhand in seine nimmt, ist die kuhle (so besehen) mehr als ruhe.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 8 Kommentare

9.5.

die fenster so lange
beschlagen, dass sie endlich
brechen in stillen zügen
durch die nacht atmen
immer wieder aufwachen
wenn im sprechen
auch hier
schließlich
der tag beginnt

Veröffentlicht unter Helene Könau, TEXTE | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare