containern

manchmal steht das fenster offen
wenn es nacht ist und november
landet man am unteren ende
eines zweifelsfalls, hält kurz an
schaut hoch, sieht nach
ob der himmel noch da ist:
ein blauer fleck
in der kniekehle
improvisiert man sternbilder
der große wal z.b. frisst
das gefühlsplankton im kopf
schwimmt er kreise
bis das letztlicht ausgeht,
man sich kleine ersatzlampen
im mundwinkel anzündet
und losgeht, liebe containern

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

(ohne titel)

Ich wollte dir erzählen dass winter wird
in einem moment der abwesenheit verließ ich die tür
dich den tassen die überlaufen ausdünnung risse
vielleicht war es nie anders oder gewesen
mitunter haut sprachst du von vorjahren landfluchten schlaf
als ginge frost laternenpfähle hinauf stürben schwäne im eis
ihre porösen mäntel an brückenpfeilern aufgeschoben
unsere gänsehäute am nachmittag
spannten um häuser denen die haare bereits fehlten

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | 6 Kommentare

berichte vom ende der fahnenstange: (3)

auf einem parkplatz diesseits der grenze kinderaugen. es mochte
schon tage her sein, was die angespannte gesichtsmuskulatur der
herbeigeieilten verriet, als physiognomie preisgab: dieses wissen
um die respektive,  wenn sich ein vorgang wiederholte und das kein

zufall mehr war. so viel vielleicht: die spur führte vom schotter und
verlief sich im teer. und wer noch diese art von pflaster kenne, die
grundschüler mitte der neunziger auf einem ihrer brillengläser kleben
hatten, um die sehschwäche zu heben oder beheben, stand im raum,

ihr muster, taugte als indiz. manch ein augenarzt hatte eine menge geld
damit gemacht, zumindest jeder, der die schlupflöcher der zweiten
säule durchschaut hatte und mut genug erwies, das als eignungstest
zu begreifen – wobei es eigentlich rigoros ist, dass so ein arzt selbst

gut sehen muss. doch wenn man schon dabei ist: gerade er behauptete,
dass man sich diesen parkplatz mehr als -haus vorzustellen habe, was
zwar von der perspektive abhänge – vom auge fürs große oder ganze –,
wohl aber wahrer war, als der schulbus mit geschlagenen 20 minuten

verspätung das gelände erreichte. zwar wähnte sich der fahrer noch in
unschuld, habe er doch rücksicht auf die knochen der kleinen genommen,
nerven bewahrt, angespannte haut. aber dann, als die schüler- endlich
in kinderaugen blickten, gerann das ganze abermals zum piktogramm.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

BILDER: hall & rauch – Tourabschluss in Berlin

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Bilder: Dirk Bleicker

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(für alexander rudolph und tristan marquardt, 11.11.11)

sagen wir eine seebrücke. witterung, die große spröde an den planken.
der dazugehörige vogel. setz dich. sie haben schon angefangen:
horizont überschneiden mit pfählen. flügeln wie papier: schwarz
auf weiß. nenn es frontstellung. aber immer hat einer was vergessen.

geht zurück, schmeisst die wand ein in der bude am strand. wenn
er zurückkommt (mit pommes) sind die sitze belegt von krill. man
könnte sagen: tag. ich weiß nicht wie man hier weiter kommt. prompt
kämen neue fragen. wer spricht da? wohin? was will der krill?

lassen wirs sein. schau her, ein bild drängt sich auf. und das meer steht
wie plastikstühle vor der leeren bühne. hastig verscherbeltes gold
auf jeder dünung. ich hab da so ein gefühl. aber im weitergehen
stehen auf der promenade raben. hundetransporter. etwas das hier

nicht stehen sollte. anlass gibt zum kommentar. zwischen vier und
sechs fehlte mir was. und die hunde sind überarbeitet. vielleicht wäre es
besser man überließe die armen dem amt. nein warte. es schleichen
sich überall fehler ein. wie sind wir hierher gekommen?

ich werde das alles so stehenlassen, eine zahl einritzen. sobald man
sich wegdreht werden die vögel unleserlich. vergilbte zapfen im himmel
über seltsamem holz. man würde sagen: das war ich. das warst du.
aber man könnte nicht sicher sein. die sonne hamstern sie beide.

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

Max und Lea beim poet | bewegt – Wettbewerb für junge Literatur

Am 19. November 2011 findet im Schauspielhaus Chemnitz mit der LiteraturArena 2011 das Finale des diesjährigen poet | bewegt – Wettbewerb für junge Literatur statt. G13 ist dort durch Max Czollek und Lea Schneider vertreten und freut sich auf eine spannende Lesung (+Konzert und Präsentation der Wettbewerb-Anthologie mit CD-Aufnahmen aller Finaltexte, eingesprochen von Schauspielern des Schauspielhauses Chemnitz), zu der hiermit herzlich eingeladen sei!

Veröffentlicht unter LESUNGEN | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

miene.dort.doch.

ein schwieriger anhaltiner gratulierte sich selbst
und ich stand daneben. ich versuchte, ihm zu
sagen: „leg dir doch zumindest einen schal um!“
und: „warum denn dieses bein?“ – wenn ein hand-
schlag fällt, geht ein ruck bis in die schultern,
wenn der handschlag ausbleibt, steht man vor
einem loch. –  „wer schlürft denn da aus meinem
schuh?“ ich sah mich selbst zu meinen füßen.

der außerordentliche mann ignorierte mich und
gratulierte sich immer heftiger. „gib mir ein
bisschen mehr aus diesem schuh!“, sah ich mich
bitten und fragte mich leise: „siehst du nicht,
dass dort jemand steht?“ der mann verschwand.
es war ein großes fest. ich war nackt. der schuh
war leer. „was ist denn?“, bot ich als satz und
merkte: ich hatte mich zu weit hinaus gewagt.

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

binäres wiegenlied

dem 11.11.11

die zeitrechnung ist angetan
das datum steht wie eine reihe
ausgesprochener leistungen da
und jeder hofft auf seine bleibe

in der ära dieser jäh geprägten
von gelegenheit und ausnutzung
ist es wünschenswert dass vor dem ende
aller tage einigkeit zum vorschein kommt

aus purer weltlust werden da ein paar
sich amtlich heute küssen dürfen
überein dass vorgestern noch schicksal war
jetzt liegt es in der eigenen schürze

in der ära dieser jäh geprägten
von gelegenheit und ausnutzung
ist es wünschenswert dass vor dem ende
aller tage zweisamkeit zum beischlaf kommt

obwohl ich mich als narr ausgab
erscheint die jahreszeit in scherben
steht ein zeitalter bevor – alaaf!
wo zahlen endlich menschensprache werden

in der ära dieser jäh zersägten
aus gelegenheit und ausnutzung
ist es unvermeidlich dass zum ende
dreistigkeit auf allen vieren kommt

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

sie raucht für das feuer / in der hosentasche

ihre freundin vögelt
einmal die woche
mit einem anderen

sie macht sich keine
illusionen im spiegel
wirkt sie älter

von ihrem nachbarn
nimmt sie keine pakete an
das findet sie komisch

nachts legt sie
grillanzünder auf autoreifen
sie lässt sich nichts anmerken

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

shout no. 1

was an dezibel unlaut und lauter vorbeirast
können kopfhörer deckeln den ohren servieren
des alltags allerrhythmischste pressluftphantasien
erlangen über hammer stränge eingang zur maschine

dann die lärmschutzglocken wieder abzusetzen
wenn unter läuten sich ein gang zu ende windet
und im besten fall spontane stille zu empfinden
welche außenumstände genauso spontan lindert

ich will ein gebrüll von unterhaltungsträgern spüren
im wind der vom sturmkreis aus reglern erschauert
ich benehme mich besser wenn er danach lau wird
die schlotternden stimmbänder hissen vertrauen

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar