sowas wie ordnung

für den anfang sollbruchstellen, knäckebrot
du sahst das nicht gerne, wegen der krümel
zwischen den dielen, an die kamst du nicht ran

ich halte mich an schattenspiele, mittags
weiß ich nicht weiter als anruf vertagen
kanten messen, helle farben

im zimmer alles umzustellen, niemand
sieht mich mit zollstock und schleifpapier wie ich
mit allen vieren von mir unsere alten hits mitsing

bloß zur erinnerung, deine stimme als jingle
verfängt sich nicht länger bei mir in der decke
und von dir fehlen mir eh nur die finger

Veröffentlicht unter Friederike Scheffler, TEXTE | Verschlagwortet mit | 6 Kommentare

(kein Titel)

die wohnung ein kühlschrank voll ranziger butter
den du gern verschicktest vielleicht an ein kind
vor karstadt oder im park fest steht,
so kannst du nicht reisen

es ist niemand sonst da nur dein hut
legt sich in die ecke und staubt
er dreht sich manchmal in der sonne die
nicht mehr schafft, als dich zum tee zu laden,
fest steht, dass du nicht bleiben kannst.

Veröffentlicht unter Nele Wolter, TEXTE | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

update 3.0: münchen-schwabing im frühjahr 2011

münchen-schwabing im frühjahr 2011 z.b, die augen zu, das
gelände abtasten. zu wenig wissen übers triebtier, instinktiv
innenleben, im visier. das interieur ausleuchten. erhöh die
pixelzahl, schraub das tempo runter, schau genau hin. was

da durchblitzt: ist das der takt des tags, nur noch folge von
räumen, das raffer, sichtlich in serie gegangen. nimm maß.
hinten links, ist das der motor, innerer schweinehund, spul
noch mal. das gerät hat so seine macken. dein kollege lacht.

macht dir beine, du musst gehn. dann überm gang, bedächtig,
hängt kaffegeruch aus einer halb geöffneten tür, „die wir uns
als durchgang dachten“, hatte wer noch mal gesagt, kein plan,
„einfach hier geradeaus und dann rechts“. kein geländer für

instinktdinge, hing zum hals raus. zeig her die zunge. sagte
dein gefühl anderes, benutzte andere worte z.b., hörte andere
stimmen. prekäres gebiet, fremde distinktion. „sie befinden
sich hier mitten auf dem marienplatz“, „kein durchkommen

mehr“, „bayrischer wald, unweit des schwabinger dschungels
–  aber so unweit auch wieder nicht“. danke, das reicht. gehört
anderen sichtweisen an, oder -weiten, oder was genau, wirst
da nicht schlau draus. was triebtier. nein, -ding. nur dringlicher.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

BILDER: Lea, Max und Rebecca bei Poet’s Corner

              

Bilder: gezett.de

Veröffentlicht unter PRESSE & BILDER | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

im museum

ich treffe ein und sie verhält sich dort
schon auf den ersten blick gesellt sich keiner
mehr dazu kommt wüste ablenkung von ihr
von mir geht wie erwartetes empfinden aus
zu exponaten habe ich noch nicht gefunden
im gedrängten saal kommt mir dann ihr gewähren
zu der tatsache dass fragen fordern schweigt sie
aus verdienst für mein empfinden wird gelächelt
als ich nur die frage nach der möglichkeit erbringe

sie erzählt mir so begreiflich von dem gegestand
der kunst sich selber auszunehmen ist das wenig
mehr als käme es zu einem auszug fühle ich
den drang noch viel zu sehen speisen gänge
voller werke steht die folge der erzählung
ist die freude auf ein wiedersehen eine täuschung
vor dem erstlingsbild versieht sie sich inzwischen
ihrer offenheit für anspruchnahme kommt entgegen
eine andere person die auf begleitung hofft

ich erbringe meine frage wieder ungelegen
nach der möglichkeit von fragen bleibt das wagnis
ob sie anderntags auch da sei lässt mich wähnen
auf der stelle fällt die andere person hinein
in worte ergibt diese ihre unverblümte meinung
von den führerinnen gäbe es noch weitere
zum konsultat der schätze war ich eingetroffen
auf dem gang der werke dann verhielt es mich
im angesicht der schönsten gabe danke ich
und gehe

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

konjunktiv 3

hätte ich gewusst wie oft
ich noch an diesen ort
kommen sollte innerlich
drinnen die nabelschnur
kapp kapp kappen würde

während die wolken den
himmel beziehten wurde
mir klar da muss ich alleine
und überhaupt durchstehen die kurve
was da so anschwemmt würde
mit dem wind ja mit dem wind kommen

weit weg vom auto die seitentür auf
die kassette lief weiter die drahtnadel
mir durch das mark verspult und nach vorn

und ich hatte ja blöderweise
aufgehört zu rauchen nicht mal das
also nur ich und die befindlichkeit
und das nutzlose feuer das plastikzeug
in der hand das ozonloch vielleicht
ohne schutz auf der haut über mir

noch viel blauer das blau
das mir zusprach los mach was
mach was mach wenn ich das alles
hätte also kommen fühlen gekonnt hätte
ich hätte und habe kein foto geknipst

Veröffentlicht unter Friederike Scheffler, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

ausblick + 2

siehst durch marschland
dein gesicht über schienen
schlurfen disziplinloses
licht: sir, diese augen
haben nicht geschlafen

die schwellen rattern
als schöne schafe so
durchs dezimalcoupé
vor dem fenster das
umstülpen der haut

du bist weit vorüber

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

doppelte buchführung

kalkulation unserer summe für später
verplant weiter oben am abend
bescheißen tauben das denkmal

unter dem sitzen wir, dunkelziffern
vorm flussufer, zählen zusammen
lebensreste und pläne

für den abend, den fluss, die tauben
fliegen später alle auf


(tomsk, 11.08.11)

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

sommerherbstmorgenberlin16grad

sommer herbst morgen berlin 16°C
ich sollte rausgehen ein fenster öffnen wenigstens
akzeptieren dass der morgen ein vormittag ist
ich kann mir nicht helfen
könnte mir großes vornehmen
oder die m4 zum hackeschen
ich denke nicht viel in letzter zeit
ausser durch den regen zu gehen und ja
ganz unmetaphorisch
ich könnte das haus verlassen
mich abgewöhnen oder ausbaden
ich bin nicht gut im begreifen
das mit den jahreszeiten den tagabständen
die sache mit dem frühstück und ja
ich kann mir nicht helfen
und wenn ich rausgehe dann sind da die bordsteinfugen
und die abstände und die zwischenräume
da wo man hintreten darf
dann kann ich durch den regen gehen
und ganz laut august denken
alle sachen wieder hinstellen und kreuze machen
aber helfen dann doch nicht
vielleicht später oder ja ein andermal

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

yes electronic

kurzer filmriss
wo die pferde hinführen
wenn die zäune die schläge
in kleineren raten
ins grundwasser leiten

der parkplatz sich wolken überzieht
und kein auto zu sehen
wenn milchbauern in schmutzigen räumen
die kinderwagen verstecken
mit stimmen wie unter tage

die party geht weiter
der balken im grinsen
tritt schallwellen über die ohren
dreht rauch auf
mundzahme schachte

die pferde im hintersten zimmer
knüpfen die wäsche zu seilen
fressen das licht

nach ein paar tagen schnauben die tänzer
liegen sich in den armen wie fell
dann gilt nur noch somatik als bewegung
landluft
elektrische schläge

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare