marzahntheorie I

wir treffen uns an überwiegender neutrassierung
dem fünftgrößten einkaufscenter dieser verwaltungseinheit
so kurz vor schichtende
zwischen stelldichein und scherdichfort beginnen
wo sich der pendelverkehr in den bordstein frisst
in eines dieser schlimmen milieus
von denen man spricht hier versuchen wir
begrenzte biografieversionen
hinter splitterfreiem sicherheitsglas
halbverkauft oder weggebracht
der durchgezogene abend so kurz
vor schichtende fährt dir die zeitraffung
aus dem handgelenk wie heimlich geübt
trifft mein schritt nach vorn die zigarettenglut
nur unzureichend krass sagst du
während ich die brandings vom vortag zähle
im dichotomen pupillenschwarz mit klarer wirkung:
die betäubungshaltung repräsentationsloser tage
vorverkauf: kinder-hof-sommer
und andere gründe an ein fortsein zu glauben

Veröffentlicht unter Rebecca C., TEXTE | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

Wegelagerer

jeden morgen langt die großstadt
__________  in die fenster
und die stimmen der wegelagerer
werden ruhelos
sie packen ihre bündel für die reise
jeden morgen kriecht der geruch
___________ihres atems
fussaufwärts sie reden von padua
oder paderborn
sie packen ihre bündel für die reise
jeden morgen stockt das laufband der kasse
im supermarkt
einer verkippt mariacron
er leckt es auf
sie packen ihre bündel für die reise

Veröffentlicht unter Nele Wolter, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

arbeitsphase XVIII

die schatten knallen
an wände die im raum
stehen wie bierdeckel
für die zimmerdecke

darin bin ich an einen
stuhl gebunden gegen
das optische sirenen-
geheul der sonne

auf der innenschale
der augen paaren sich schwebfliegen
was übrig bleibt flieht
aus der gefahrenzone

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

alles easy, prima vista

alles easy, prima vista. zum anfassen. die sonnenbank, wir hin-
gestreckten. wie geht das eigentlich, die sache mit der schlag, mit
der breitseite. wie lange hält sich brustton, nachfragen. farbe
bekennen, ausziehn. jeder darf mal. wir sind im schutz der warn-

vögel: das ist die gelegenheit. machen sie bekanntschaft mit dem
ungehörigen, normal. testen sie, was einen so kleidet, 15.30 bspw.,
bundesliga, kommen sie, in flagranti, für den moment. dann reset.
das müssen sie sich mal vorstellen, woche für –: wenn sie eine

feste stelle hätten, wie sie dann sprächen. am ausdruck, quasi nach-
barschaft. einweihungsparty. bevor sie die bullen rufen, kommen
sie flugs vorbei. ich bitte sie: wir sind alle viel zu jung und trinken
co2-ware aus bottichen, aus allen rohren: glauben sie mir, es gibt

schönres unter gottes sonne. und dann gehen die wieder. dann
gehts weiter. pack in die pfanne, what, malle. versuchen sies mal.
kumpel, in etwa, rupf die gans und greif zur feder. eben alles eine
frage des commitments, echt, geht sogar noch mehr, einen drauf.

man muss das system nicht checken, um es zu hacken. man könnte
auch, man sollte vielleicht. woanders wohnen. probebohren mal,
speech acts, schmackes. einfach eintauchen, schnorcheln, augen-
weiden klar machen, pics schießen. believe me. probieren geht über.

_____________________________________für linus westheuser

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

amt. schlamm. schweinekamm.

weil’s da dann halt so war. oder:
beil. tannen. samowar. verortung,
hört! das fordern blieb vorerst be-
nommen. es stand nur fest: der tee.
der see. wie geschah er denn, der
brudermord im badeort? wie trug’s
sich’s zu, der ufersturz? antwort be-
friedete nur leidlich die fünfzehn
burschen holzfäller aus tief betrüb-
ten baumschlag-gilden. sie bildeten.

denn nur das dickicht flüsterte was
schicklich war / was nicht. sie spürten:
liebrücklings fühlt sich bückig nie und
jeder ton ward baldigst gröber. kurz:
sie pupsten renitent ins bockshorn,
ballten faust zur hand und krempelten
die wälder um. wo gibt es denn noch
zünftige moral in nicht-oraler einbettung?
in kausaler umschlungelung? beim
waidmannsbransch? beim rambatanz?

die burschen tauchten in den see und
suchten lungenschwanger nach tief-
durst innerlich. der tee erkaltete. erkalte
tee! fühle dich regelrecht verschmäht!
es kam der schluss in spe: banales tut
den leisten weh. die wieder auftauchten,
verstaucht, nein, -schnauft und hung-
rig schlugen ein dutzend säue, walgten
sie klein und speisten. spießten das
dies: iss bademord. sturzufer. wurz.

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

seit gestern stürmen wir straßenlaternen hinterher
verfolgt von wilden einkaufstüten und einem hund
mit schaum vor dem maul den habe ich dorthin gepustet
hier ein bier das ich an deine lippen gehängt
und vorher schon ausgetrunken habe dort
ein sandkorn das du mir aus der wüste erzählst
da gehören wir hin sagst du abenteurer und vagabunden
wenn ich in mich gehe finde ich ein oder zwei tanzschritte
diese umleitung denn die kennen wir nicht
hochspannung unter den nägeln
und kratzer in unseren kehlen
jagen wir krähen wie geier im licht
um die stadt nicht wirklich zu verlassen
zumindest nicht mehr heute

Veröffentlicht unter Nele Wolter, TEXTE | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

(ohne titel)

für olivia

es gibt ein ende da sitze ich in der küche
und bastle schiffe aus krepppapier eine
garantierte titanic auf dem weg zurück
steht meine mutter eine junge frau mit gitarre
die meinen namen nicht kennt singt lieder
von reinhard mey und hält am ende was sie spricht
ist eine körpersprache die langsam abklingt
im spülbecken saugt sich das voll versinkt
in gedanken in bauplänen für den rest der zeit
geht was zu ende und ich suche nach relikten
im kühlschranklicht nach haltbarem in den
schubladen nach wegbier wenigstens das
hat mir ein freund geschenkt der auch nicht
weiter weiß als bis zum nächsten zigarettenende

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

so easy

der tag ist so easy
die raupen auf der ampel spucken
kleine baellchen aus sonnschein im
himmel himmel voegelhosen eingestanzt
und drumrum strass der tag
ist so easy jeder zweite
atmet seifenblasen aus die achseln
gezueckt im rock die raver aus
arabien spielen magic cards und fare-thee-well
ich hab mir seufzer aufgeschnallt und
geb im gehen shakehands an die opferverbaende
wippe mit den mechanischen knackis und bullen
der tag ist easy und wenns klingelt
bist du schon ueberm parkhaus ueberm meer
an der krummen planke im himmel so
frei frei und lachst wie ein rohrbruch (jo!)
es gehts los: ich streichel die
raupen an der kette im feuchten teil
kalashnikoffs aus mit blumen und du
droppst von oben mit einem schlag
fuenf achtel und der tag ist so
easy ich sag so easy so so easy

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

brückengang

einen fuß über dem fluss und schon ist es genug um zu wissen
welcher fluss dem strom entsteigt an erbaulichkeiten derer
jede einen lotsen meint zum bestehen auf heilem pfosten

eine brücke deren jahrhundert es schaffte was das nächste verlachte
und das übernächste gerade erst sich anschuf neu zu tünchen während
glänzendes heruntergeschabt vom gänzlich durchmauerten übergang lag

das wahrzeichen der gegend stellte selber sich als wässerliche kunst
und grenzstein dar indem es vorgab dass markierungswürdig blieb was
jene ursprünglich natürliche struktur des flusses genügend schon beschrieb

die grenze wurde ahnbar und es waren die beschränkungen der
stunde die den umstand einer frage zugebaren ob erreichen
reichen kann bestehendes sowie auslaufendes zu meiden

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

windstimmig

einer schneise bei häusern gestehe ich dass ich mich in ihr
ergehe also weiß sie wovon das spricht wenn ich in ihre enge
schreie und nicht einmal meine dass ein wort verständnis erreicht

soll es werden das losgehen muss ich mich bloß geben an die
tür schon wegen dem gefühl später doch heimzukommen dabei
juckt mich nicht die bindlichkeit es hadert mehr das stimmigsein

vergeblich begehe ich demnach den wind denn finde ich ihn auch
auf der straße in den haaren wie am fenster in den ohren bin ich doch
obligat empfindsam und suche in wipfeln bis zweifelsfrei die augen sind

unerwartet am verharren auf schmucklos geästeltem kronenwerk das
deutlich durcheinander fährt scharen die sachen sich nicht um mich sie
scharren versucht und machen dass ich selbstbefunden turbulent erstarre

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar