(ohne titel / ohne titel)

münchenschwabing im winter 2011. wenig konnte bisher zur
behauptung einer enthauptung eines gewissen inneren triebtiers
in erfahrung gebracht werden, aber dies: der philologenschweiß
fließt, bereits in seinem zweiten frühling. (mehr dazu: s. unten,

stichwort bügeln.) stand der dinge war: zustand ist nicht länger
the opposite of zufall. einige stimmen erhoben sich zwar, doch ob-
siegte
der harm. dessen knotenpunkt: war selbstverwirklichung
überhaupt möglich / nötig? bzw. was not daran tat, gedrungen

zu sein. das wort schweinehund rückseitig betrachtet. undim-
merhin
beträchtliche anstalten. wovon man hiezu aber auch ge-
bührlich
bericht erstatten muss: das narrative überdengleichen
kammbügeln vonüberwinternundunterkühlen‘. so beim ge-

flügel: kaum schickliches schicksal, das dennoch aufnormaleinen
reim macht. plus plastik an sich, sprich: instinktiv geruchsneutral
was in diesem zusammenhang aber auch nur ein wort ist. das trieb-
tier
von innen her, nur dringlicher. wir erinnern uns ungern. und was

damals auch anklang, galt als sehr viel grundsätzlicherer anfang der
fahnenstange, als sich in jahresfrist fand: andrang, ins land gegan-
gen
. von dort erging die letzte kunde: der bayrische wald beginnt un-
weit
des schwabinger dschungels. aber so unweit auch wieder nicht.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 17 Kommentare

bordeaux – berlin

ja-amen-maschinen im offline status
die credits vermessen was bleibt ist 
der klick zum first-to-like-this-button
der billigflug vom du zum ich
und der verrauchte nebenraum
in dem man sitzt die trennwand zieht
die phrasen für die finger
mit schmalen lippen sich verlinkt
mit pinienwäldern, rehen, meer
Veröffentlicht unter Friederike Scheffler, TEXTE | Verschlagwortet mit | 7 Kommentare

(ohne titel)

nicht einmal unter der dusche werden wir
leichter oder weniger verwirrt vom regen
dieser wettermaschine die 11 reihen über
der 9ten hängt wo wir heute das drücken
in den kleinen zehen zum ziehen erklären

jemand kurbelt ausdauernd an der kurbel
legt ein skript in den lautsprecher das zu
stimme wird wie: ganz allein bist du doch
nie
zwischen diesen fliesen, der negation
von blümchen und zwiebelmustern. wie:

die liebe macht sich rar als würde einer
brecht zitieren oder sonst die welt auf ein
paar bretter schieben. die welt ist bühne.
die welt ist geometrie vor dem regenguss
mensch, man müsste weg jetzt. abfluß,

denn morgen sind wir schon zu lange hier
ausgerollt auf dem teppich eines klangs
orchesterprobe ohne bass, duschradios
bei denen die pauke krank macht wegen
hallraumzerrung unter dem trommelfell

(entstanden zum Film „die Zeit ist aus den Fugen“
von Christoph Rüter)

Veröffentlicht unter Max Czollek | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

charlottenburg trans west

Das da zwischen den empfangsdaten
korrespondiert nur selten mit der wirklichkeit
erhitzte bahnsteigplatten gemüter reflexsiv wie
schwitzen im baukastenschema der teergeruch hat 24 stunden offen
wär´ die welt mehr als eine metapher wie sie perlten
die luftblasen aus überforderten sprechorganen
knallkörper im bezugsvakuum wie sie schmierten an den wänden
die zentralorgane im generalstreik vor plakatanschlägen bliebe
zu sagen ich mag die gelben schlangenwürmer
als eindeutigkeit dieser abbildung
gegen das schweigen einer netzhaut nach aussen
ohne kopplung das unterfangen vernagelter innenräume
von parasitenbefallenen empfangspersonal wie
die made im speck made in speculation
beachten sie die lücke my mind is a gap
mit mächtig störton auf der pupille


Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | 6 Kommentare

(ohne titel)

das weite feld und seine auswüchse teil 1. gerade in der drang-
phase ist subkultur auf ihre feuchtfröhlichen auswüchse ange-
wiesen. das klingt dann ausgewiesen etwa so wie sex and crime
im binnenreim. und leuchtet unmittelbar ein. schwieriger teil 2

des sprießes, umgedreht: spießrutenlaufs beim einkauf heiterer
generika (im sinne von: heiter, heiterer etc.) zum sich-berappeln,
um zu zappeln, berappt: 12 euro 90. terminus post plemplem ei-
ner füglichen konsumkritik. der kunde bekundet sich oder auch

nicht. teil 3 entfacht das blanke unbehagen. macht – zwischen
den zeilen – gar überhaupt das unterfangen aus: den garaus ei-
ner wahrlich probaten gesinnung. genommene zangen: in die
/ stimmung: beklommen. nicht gehegt, noch gepflegt. auf ab-

satz angelegt. dann folgt in der regel teil 4. hier: hochzeit, schei-
dung. arkane umgebung, morbide neigung. sprich: zwei drittel
der arbeitnehmer verstehen heute – tag für tag – die welt nicht
mehr. oder eher so: die da oben toben / drum politikum. teil 5

ist somit duktus einer ganzen inneren generation: fluktuation im
wechselstrom = goldfisch. schnell und individuell. und nur da-
mit wir uns recht verstehn: das ist im grunde dasselbe prinzip
wie: der see, die see, das see. inklusive einer prise hildegard knef.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 6 Kommentare

duett für 120bpm

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

auf den fahrten

auf den fahrten den vielen morgens
formt die landschaft ihren widerstand
gegen meine deutungsmuster
in den rhythmus des täglichen
schreibt sich ein radio die wellen
die winter die wege: die vielen formen
des widerstands der immerverfügbaren
gegensonne im rückspiegel
meine muster in der landschaft
diesem austauschbaren zufallsopfer

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

ohne titel (januar)

im museum stand auf einem tisch eine
naehmaschine das war sublime
wir hatten die buecher gelesen und schlichen heim
vom mantel fielen silben es gab reis auf dem dach
rauchten wir vom tag das bisschen sonne auf

und fanden uns wieder im grunde auf riesenschultern
mit fremden namenstassen an der wand
der blick durchs fenster umstellt von requisiten
die finger in anderen raeumen in a dying fall
die klassischen zerbombten landschaften

alles klar ja und bei dir irgendwie war januar
die tauben fielen vom dach und du fingst an
so gut zu riechen dass ich blieb und kurz vorm schlafen
mit den tassenraendern sprach: ich moechte sterben
oder so schoen wie lindsay lohan sein

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

Wellness West

Komm lass die Leinen los
und zieh sie aus, deine Häute
stinken schon nach Verwesung
kauf dir Kraft, verwirf den Plunder, all den Dreck
pflege deinen Kadaver
mit Palmöl ruhe
in Sänfte blicke
auf dein Abziehbild im Karibikkalender
die letzen Verkrustungen entspachteln
sich unter falschen Fingernägeln
wie von selbst gehst du pur
strandest, in türkisen Schaumbädern
die Schallwellen einer genügsamen Urkultur
lösen leicht die letzten Rechnungen
du schwimmst mit den Altlasten in einer Brühe
ihre fade Exotik west
Wellness West
kopfunter
denn der ist es doch
der euch hängen lässt

Veröffentlicht unter Paula Glamann, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

(ohne Titel)

die Häuser stehen schief dieser Tage
harte Zeiten für Schornsteinfeger
und Photoshop der Kampf galt
den lethargischen Flüssigkeiten
in Tongefäßen neulich erst
wurde der letzte Poet
unter seinem Aschenbecher begraben
eine Verwechslung hatte vorgelegen
im Voraus hatte ihn das Wüten
umgebogen tischwärts
hatte er so viel Regen geredet
dass sieben Hügel zu sieben
Seen bebten ein Interlekduell
ein Weltwunder so sprach/dachte/schrieb er
der alten Lallosie zu gedenken
außer ihm hatte keiner mehr Fragen
an aufgedrehte Kryptomanie lautstark
eingedämmt an Vortagen vorgetragen:
„unter welchem Sterni steht die Dichtung?“
es seilt sich Salz ab aus verschwitzten Mehlklößen
Fäden sind gerissen und häkeln weiter die Dichtungen
haben sich enttagt selbstwirkend sind aus allen Becken
übergelaufen zu Kanälen geronnen haben sich durch Gehrinnen
Feuer/Wasserlachen gebildet auf Bürosesseln Akten
Mappen Schneisen geschlagen jeder hier kreist
spuckt Tropfen einer Manie in den Hut und schwimmt
den Stilbrüchen das chancenlos entrissen
hier strömen Spiralen
hier werden stete Wellen gebrochen
Cosinus und Geodreiecke gefressen
bis zum Platzen Brücken gebaut – die auf Bau setzen –
das braucht nicht weiter destilliert werden
im Anhang dieser Tage steht das Ungelenk umgelenkt
hier werden freie Vögel entbunden von Abwässern
in Bewegung versetzt hier wird auf Plätzen
gesprochen denen nichts gemein ist
außer Sprudel gegen Setzkästen und Karusselle
der Flohzirkus ist weggespült unser Turnus der Spagat
wir sind in guter Gesellschaft
die Baustelle nicht mehr brüchig
es werden Springbrunnen in die Straßen geniest
Zirkulationspunkte Flüssigkeit kein Kleben bleibt
das was zusammenhält hallt
an allen Enden hämmern
dieses Biegen/dieser Knick braucht
niemanden mehr gerade zu denken

Veröffentlicht unter Paula Glamann, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare