面朝大海,春暖花开

Gemeinsames Projekt mit einer chinesischen Germanistik-Studentin: Wir übersetzen beide das gleiche Gedicht, ohne unser Vorgehen miteinander zu besprechen. Für mich geht es von einer fremden Sprache in meine Muttersprache, für sie ist es umgekehrt.

1) Original

2) Jiuzes Übersetzung

3) Meine Übersetzung

1) 面朝大海,春暖花开

从明天起, 做一个幸福的人
喂马, 劈柴, 周游世界
从明天起, 关心粮食和蔬菜
我有一所房子, 面朝大海, 春暖花开

从明天起, 和每一个亲人通信
告诉他们我的幸福
那幸福的闪电告诉我的
我将告诉每一个人
给每一条河每一座山取一个温暖的名字

陌生人, 我也为你祝福
愿你有一个灿烂的前程
愿你有情人终成眷属
愿你在尘世获得幸福
而我只愿面朝大海, 春暖花开

2) Ich stehe dem Meer gegenüber und die Blumen blühen im Flühlingserwachen

Von Morgen an werde ich ein glücklicher Mensch
füttere das Pferd, hacke das Brennholz, bereise die Welt
von Morgen an kümmere ich mich um Getreide und Gemüse
Ich habe ein Haus, stehe dem Meer gegenüber und die Blumen blühen im Flühlingserwachen

Von Morgen an, ich schreibe Briefe an jeden Bekannten
Erzähle ihnen die Seligkeit
Was der Glückblitz sich mir anvertraut,
teile ich jedem mit
gebe jedem Fluss und jedem Berg einen warmen Namen

Du Fremder, ich wünsche dir auch
wünsche dir eine glänzende Zukunft
wünsche dir eine erfüllte Beziehung mit der Geliebten
wünsche dir Glück im weltlichen Leben
ich stehe aber lieber gegenüber dem Meer und die Blumen blühen im Flühlingserwachen

3) Zum Meer hin öffnet der Frühling die Blüten

Von morgen an werde ich ein glücklicher Mensch sein
Pferde züchten, Holz schlagen, reisen in der Welt
Von morgen an werde ich Getreide ernten und Gemüse
Ich habe ein Haus; zum Meer hin öffnet der Frühling die Blüten.

Von morgen an werde ich jedem einzelnen schreiben, der zu mir gehört,
Ihnen von meinem Glück erzählen
Was mir dieses plötzliche Glück erzählt hat
Werde ich jedem einzelnen weitergeben
Jedem einzelnen Fluss jedem einzelnen Berg einen Namen geben

Fremder, ich wünsche auch dir Glück
Dass deine Zukunft leuchtend sei
Dass irgendwann zu dir gehören wird wen du liebst
Dass du in dieser Welt Glück erlebst
Ich will nur: am Meer stehen, wo der Frühling die Blüten öffnet.

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theater-ausschnitt 2: rilke & salomé, russlandreise

[…] doch glaube mir, auch

dem schlaf _______dem schaf________dem sprung______dem hirten
des hirten________des hirten________des hirten_______ des schlafes
entsprangen___ __ entsprangen___ __ entschliefen_____ entsprangen
die schafe________die schläfen______ die schafe_______die schafe

nichtsdestotrotz: ich zählte sie nicht, denn sie waren wirklich ohne zahl. ich wollte ihre wolle kämmen und führte sie auf den kamm hinan. wir überwanden talfahrten, hügelsteige anstiege, gerade so die pfade. ihre hufen überdauerten mein hoffen, ihren schnauzen unterlief ein kalter schauer prasselte auf uns und klatschte von unten umso bodenloser nach oben zurück. doch die pfützen füllten sich nicht. kein tropfen blieb trocken. und als still wurde, schwiegen nicht einmal die schweine.

wieder entging____und langsam_______der tau________ der reif
ein tag__________entsprach_________ begann________ war
entlang_________ das ding__________ den reif________ im begriff
ins land_________ dem liederlichen____ zu begreifen_____aufzutauen

und die sonne nach dem neuen wilden gewitter fließt, als wohnten wirklich auf allen plätzen die spätze. ich will leise träume träumen und mit ihrem glanz wie mit ranken meine stube schmücken zum empfang. ich will nicht zu den menschen reden, damit ich den nachklang der vögel trällern kann. denn: was fällt mir zu? ich suche fast entschieden das zu fällen, was am ast zu wippen kommt, und weiß auch, dass die gurgeln dieser tiere hier wie murmeln sind (im schlund). keine lieder säumen ihre kehlen – es sind bekundungen. derart genuin geäußert sind die vögel beduinen unserer erinnerung (auf wanderung) und bienen und hornissen. wissen, dass der innenraum nur stundung sein kann: als boden der entäußerung. zur umrundung eines kreises halten ihre flügel einzug, quellen eines einflußfeldes, und gesungen mit dem anspruch eines ausspruchs schwingen ihre zungen unten. am rand (davon) nimmt ein imitat sich form an: imitand. dort ist verzweigung zeichen unter zeichen, diese linien ast um ast in läufen zu beschreiten: lilien, derweil und wegen wegen. ich getraue mich zugegen, wärtige die aufbruchung und zeitige sekundungen. ich suche umfelder beim wundern über grünen gabelungen, dass ich gründe, zugefallen fünde.

die weiden______einstweilen________dieser fluss______und
grasen_________bleibt der_________ fließt___________kann mir doch
sich selbst______weiler____________ seit urzeiten_____das wasser
ab____________ beim alten________ nur____________ reichen

[…]

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geschliffene böden

one-way bis zum fundament
verweise komplizierter brüche
in gereichten händen warten
im luftraum kinntief im märz/
im wasser des nils/im alltag sind haie

ungewöhnlich: der mensch
gehört nicht zur potentiellen-
nach vernetzungsgrad stilisierte
gesichter/fersen hinter asphalt
hast du ein zelt aufgeschichtet
parallel zum rush (wir)
nur leere fußnoten auf kopfsteinen
sprechen in standstreifen
die flut auswechseln (kinderfotos-)

die scherben im gehen
(-und solche mit amputierten armen)
geschliffener böden und
stigmata vertikal zur schwingung
verkannt und jahre später: heute/morgen
vereinzelt

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theater-ausschnitt 1: rilke & salomé, russlandreise

[…]

man kann kaum andres machen, wenn man spricht, als dann darauf zu stieren, was man tut und was die stuten. und wieder gilt es zumindest, stellung zu bewahren, haltung zu bewahrheiten. du sagst: beizeiten, meine ich, versagen meine sagen. nach dem tier durchbricht das licht die baumkrone und fällt nun auf den waldboden der tat-sachen. da spielen wir gehörig mitsamt unsren sinnen und binden unsre rinder gleichsam an die rinden. wir beginnen: das erneute observieren, perspektiven stiften, spitzen, zu bestimmen, einzuklingen mindestens. besagtes tun: unsre klingen schneiden heute keine sträucher mehr, ohne sie (im innern) auch zu räuchern. erinnern wir uns noch daran, was erst subkutan war und dann unterhalb der haut sein konnte? auf dem boden lagen wir und aßen draußen – und was war untendran? dort konnte doch nicht einfach nichts sein, wenn der rauch hier sich auf den rinder-rinden zweifach entfächerte. wie ginge es, ein eingegrabenes ei so zu betrachten, wie es sei, ohne doch zu trachten, es auch zu begraben? und

im grunde_______heißt doch_______im grunde
genommen_____________________angekommen
wurzeln die_____________________schlagen sie
wurzeln________________________wurzeln

nur wohin? wie fühlt sich das an? und wollen wir das wissen? denn natürlich kann natur kein rätsel sein, denn sie ist natur. und natürlich

kann
niemand hier
beeren
entbehren

außer im steten wechseln der werte in einer welt, in der anfallen und anstehen dasselbe bedeuten. […]

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

Mail an K.

wir leben in zeiten wie gespräche
bäume sind gleichgültig geworden
das ist nichts anderweitig was
ebenso verschwiegen würde :

wir reden und warten auf den sturm
sagt eine und lässt mich gehen
die hängematten drehen die haben
zu lang abgehangen der sinn macht
keinen mehr seinen warmen platz
unter der sonne aufgeben

gestern waren die gassen tel avivs
regennass verschwommen so mitten
im juni dachte ich wie komisch das leben
und metaphern verwickelt so dass es wohl
stürmisch sein müsste über dem mittelmeer
die flüge bis auf weiteres vertagt

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

19062010 0543 Ochsenmatte

Kein ich oder du nur das Es zwischen den Zweigen
geneigt sich ein Stich unters Hemd so weich auf
harten Huellen, verwettert das Gefühl von Leere.
Geleert, enthalded halb verschlafen noch das
Murmeln im Geäst lässt grüssen so hanebüchen

tauverschwemmt noch das Stück Gedanke am Morgen
horten sich die müden Federn ungestreckt wie
kranzgebunden unter fremden Flügelfragen und
das Zagen vor dem Wort, geht ein geht aus,
gähnen wollt ich gab es nicht noch so frisch

der Ruf aus Wäldern noch zu früh zum verstehn
eh der Schall verhallt, halten wollt ich fest den
Fetzen, den zerwetzten Faden Klarheit und die
letzte Lache Nachhall so tauverregtnet ungeebnet
Wege gehen in den Tag

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

Linus‘ „ich bin verliebt in die großen vögel“ über „Lynguistics“ (Cunninlynguists)

ich bin verliebt in die großen vögel

besonders wenn es warm ist in der nacht gehen sie ein und aus bei mir
ich liege mit den geschlossenen augen an ihren krallen ich saufe die architektur
was bin ich geworden dass ich hier bin ohne stöße in der luft und verliebt?

jede wand ist ein schirm für bilder in meinem park
steht ein vergoldeter hirsch auf kunstrasen sein fell ist bedeckt
mit der scheisse der vögel was bin ich geworden?

meine fühler gehen ins erdreich ich
versuche nur betrunken mich gerade zu denken
ich suche das stampfen im boden
______________

ich liege in meinem bett ein schirm sind die wände ich schreibe
F U C K an jede einzelne in der stadt fällt der schnee dann die streu
dann räumen sie den schnee dann saugen sie die streu die straßen

sind leer und warm und überall kreisen die vögel
sie nisten wie haufen von trockenen kraken an den häusern es geht
ein wind so sanft und böse dass einem die gedanken schlingern
___________________

was bin ich geworden ich will mich gerade denken aber
es wuchert mir überm kopf die sonne gibt sich hin in quadraten aus obst die
flecken kleben in der ganzen stadt ich will sie lieben die stadt aber

ich liebe die großen vögel und wie es wuchert aus den leeren häusern
das licht ist eine trockene krake auf den leuten im bus und
ich liege im bett und ich warte auf den tag ich warte auf die nacht

ich halte mein fenster weit offen an allen tagen
denn ich bin verliebt in die großen vögel
immer nachts sind sie bei mir

Veröffentlicht unter BEATS & ZEILEN | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

ERKLÄRUNG DES RAUMS

DIE ERKLÄRUNG DES RAUMS MANGELS MENGENVERSTÄNDNIS DAS BILDNIS DER M. L. ENTEIGNETE BLICKE HALBSEITENS MINUTEN AUF AUGENWEITE DOPPELT GEZÄHLT DREIFACH IM ABTRIEB MANCHES IST IRGENDWO IST WERKTAGS ACHT UHR ABHOLBAR ABGEBRANNTE PLANTAGEN AN OASEN UND KOLLATERALKRATZER MIT MILCHSCHAUM IM GENICK DOWNLOADS /LAST EXORCISM/ EXHIBITIONISMUS VOR ELFJÄHRIGEN IN ZWIELICHTEN PROVINZTUNNELN AUCH AN PROTESTANTISCHEN FEIERTAGEN APOKRYPHE RETROSPEKTIVE DISPLACE MY NAME RELEVANT BEIM DREIUHRTEE IN MEHRFACH KOMBINIERTER ÖDNIS POPKULTUR /MODETECHNIKKUNSTMEDIEN/ ENDLICH GEILES BIER-WENN DER STRUKTUR EIN LALLEN NACHFOLGT IN DER MITTE DES GOLDENEN SCHNITTS: NORMALSTERBLICHE PUNKTE AUSDEHNUNGSLOS-PER DEFINITION-WEB 1968 RELOADED DAS LEBEN IN DIE FRESSE WIE DAMALS AB CORE.TXT IST ES NICHT MEHR WEIT DU ZU DENKEN IM EXPERIMENT SO LAUT WENN SATELLITEN ZUSAMMENKRACHEN ODER DIE KATZE AUS DEM ACHTEN STOCK VEWORFEN FÜNF SOCIAL NETWORKS DANN WEISS DERJENIGE DASS ER FALSCH LAG ABER WAR DER NICHT KRANK JA ER WAR ERST ZWEIUNDDREISSIG

Veröffentlicht unter Rebecca C., TEXTE | Verschlagwortet mit | 7 Kommentare

die richtungen der lauf

/die wege in reinschrift
fallen vor die geschnürten
limit points-
visionen im taktwechsel
lufthohlen
ab der hohen kante
ums handgelenk legst
du die jahre präziser verraucht
mit jedem schlag vermutung
nenn ich wenn nicht alles
schätzbar wäre im polyvalenten
warten zu tramhaltestellen gesellen
sich wenigstens spatzen
fügen sich ein
ins gesamtpaket ausgelesener fenster
fronten im vorab
gelöst sein die rückkehr der sturmantrittsstille
ist oft schwer zu verrechnen
im rückenwind straßenschilder
weisen nach/

die richtungen der lauf

/maschen bis zum scheitel in synapsen
nach prosa gesucht zerschlüge
man heute die landschaft
ich begrünte mir keine neue/

Veröffentlicht unter Rebecca C., TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Sde Boker

die ähnlichkeit der gegend
gab zu erinnern auf
lief das im kino fine cut oder
no smoking irgendwie anzüglich
trug ich einen strickpulli
nachts wurde es kalt

lungenkieselnde aerosole
mehr duftraum für ein paar
vergilbte bauhütten
ein geruch nach mango
(später schrieb ich:)
der rest war tango

dann die kette einer reaktion
beim griff zur kamera
lag vor der blende dort
pixel halb- sandrauch
unter obigem brennelement
etwas -wert- wie -zeit

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar