spaziergänge in der grauzone

spaziergänge in der grauzone waren vor allem
die muster in deiner haut die hände hinein
in den umgekippten see meiner erinnerung
wo die übriggebliebenen fische verschwammen
und mich unsicher anstarrten zwischen fäulnis
vom rand und wärme von der mitte her
ertrank die definition und kurz vorher schon
zog sich der luftgeschmack zusammen

(ich lag auf deinem mund)
(ich merkte das nicht)

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

an einem dienstag zwischen den jahren

in den unbewohnbaren zimmern unserer eltern
fanden wir an einem dienstag zwischen den jahren
als das schaben am grund unserer meinungen
lauter war als wir häufiger über die schwellen
stolperten als gespräche schon seit monaten
sinnlos waren weil alle töne gleich fielen und
uns das haus überwuchs: überteuerte kunstdrucke
eines geschlossenen museums kurz hinter der grenze
von dem sie sagten als ihr klein wart sind wir
zusammen hingefahren wir konnten uns nicht
erinnern

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

spatzen

ein zwitschern dreht sich ins papier
in virginia kehren sie krümel
in die asche habe ich gehört
nur einen funkenflug weit liegt
daheim
rufen die spatzen ich suche
andere orte zu keinem bin ich
eingeladen ich verliere hauch
um hauch auf meinem weg
daheim
leben die spatzen ich rauche
zeichen halte ausschau nach
ferne die noch immer nicht
vor meinen füßen liegt nur
daheim
züge von spatzen die fliegen
nicht nisten in der glut ganz
nah meinen lippen und trinken
meter um meter meiner strecke
daheim
drücke ich meine pläne aus
und füttere sie

Veröffentlicht unter Nele Wolter, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Verzogen

Verzogen

In diesem Baumfeld
einem blind gezüchteten
verqueren Waldstück
übergibt sich meine Sicht
der höheren, der hiesigen
der diese schulterhohen
Nachwuchsriesen überblickenden
und über sie hinaus gezogenen
der Zucht noch zusätzliches Lob einbringenden
Wacht in Form von Türmen
aus Gestänge, Provisorien
der Länge nach auf Tauglichkeit
im Kriegsfall hin und her bewehrt –
denn derart schwenken jene Leuchter
die die Spitzen jener Türme
für sich zieren
von sich werfen
scheinvoll jeder Ecke hin
und jedem Wipfel ins Gesicht
dass aber ja der Wuchs besticht
zumindest hält der Fuß auch inne
bei finaler Anpassung
bedarf genauer Draufsicht nicht –
und sollte also bodennah
ein Sprössling sich verzogen finden
wäre er noch nicht erfasst
ginge glatt als Schnäppchen durch
(die Fänge der Geschäfteschlacht)
erlebte dann das frohe Fest
nicht mehr so ganz
und doch verzogen

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

vokabeln für das schweigende mit-

stützen der neuen ökonomie: kleinere gewitter
auf den netzhäuten in serien sprachlose nächte und
nebenbei die geschlechter der lebensläufe: zwei
absätze fürs wochenende der rest für den job oder
fucking in the shower with my new nike sneakers
fucking fucking fucking fucking fucking
und
vitamine zum frühstück zwischendurch
die kontrollen der abglanz der statischen körper it it:
haltegriff über kopf stehende strömungen von
geruchsregulierten kollegen it must have been das
flexible pendeln zwischen unsterblichem (love)
und eregierten ebenen des managements:
ganz oben 99 jungfräuliche huren am
tag die tunnelführung unten aus der maulwurfperspektive:
eigen-minimiertes migrieren zur mittelfunktion
auf dem weg der death count die lose bekanntschaft
mit den genitalien auf dem handy die
symbolische verarbeitung: it must have been love
but it’s over now

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 7 Kommentare

32″: im zwischenhoch

zum ende hin haben wir haarlängen getauscht die wir am anfang verglichen
im smalltalk als fliehende statistensinnbilder am mauerwerksgitter
laternenschlaglichter auf gleichmäßig gehäuteten straßenschnittstellen
die vorperforation künftiger schrittfolgen zwischen uns soziale funktionen
geprobten ähnlichsprechens lost in transformationsprozessen
wir wirken gerade wie in das milieu gewebt in stoff der gelegentlich einreist
auf stehplätzen verstecken hinter mittelfingern anschein und fahrkarten
im vollzeitraffer stunden erörtern zu tagen zu jahren zu war und zu jetzt

32“: im zwischenhoch und auf der habenseite erkennen wir leitplanken
abstandsarm an die zwangsjacken  doppelt gebügelter sommertagsträume
do you have a –? do you want-? du als mitlaufendes motiv
die gesamtheit unserer verhältnisse auf halbmast
gehisst gewiss ist vieles ist es in etwa so weit

Veröffentlicht unter Rebecca C., TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

wechselwärme (weiß-grau)

und heute begann das eis
dann doch zu schmelzen
in zeitlupe müde tropfen
von zapfen abgeseilt duster
von den bürogebäuden
an der endhaltestelle
des untergrundes no 1
in diesem weiß-grauen winter
und ich wälze mich weiter
in seinen pfützen
in diesem matsch
ist es warm dieses jahr
dem thermometer zum trotz
mantel ich mich in diesen haufen
aus abgasen und hundespuren
schlaf bleibt nur ein irrtum
von elf minuten einsamkeit
und hundert wegeläufen
mit flocken in der brust
in dieser wechselwärme
eisblumen und trockenzeit
auf meinen kopfkissen
in meinen ohren schmalz
ich bin hier auf eis gelaufen
in diesem frostheißen dreck
und heute schmilzt es
zwischen meinen fingerspitzen
und ich bleibe ein frisch
in den ofen gelegtes brot
schneebestäubt und durchgeknetet
von diesem weiß-grauen winter
in dessen matsch ich mich wälze
und dessen pudel weiß
vom himmel fallen

Veröffentlicht unter Paula Glamann, TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

zündet sie an
die heidschnucken vor den toren
der hure hannover
reißt die mauern ein
erbaut sie neu
denn es liegt luft
in der luft

soldat mit battnz auf der brust
landet weich im blumenbeet
neben dem gartenzwerg
nach dem hangover auf dem balkon
seiner großeltern

innerlich nun ein rumäne
die haare entsprechend
libysche lovesongs auf den lippen
und tartarischen brotaufstrich im gebiss
ruft er: ja!
und: auf!

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

ja, ich war: niedergeschlagen vom tag, zu
erschöpft zu sagen, dass der tag nie da
war, vom selben schlag wie ich
(die sachen nicht)
(beim schopf zu packen)

– als würde etwas wachen
nach gemach, würdig
werden, allmählich
gemächlich, das sich an vertagen nicht
versprach –

und dann legte ich mich laken, erlag
der ahnung, dass es mir erginge,
wie: unsägliches zu betten, abzu-
lagern, und die sedimente eines schlafs
danach

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

du bist wie joghurt: ja-quaken, mira-bellen,
das hat schon etwas pfirsich.
wirr bricht sich licht in deinen glasigen augen
und ich schau derweil auf meine finger
was man so alles macht.
gesetzt den satz wir machen sachen
schon geschehen. all diese
nicht-annehmlichkeiten (danke, nein)
verschluckt im husten mentaler bronchitis.
wird schon werden, ist schon sein.

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Verschlagwortet mit | 9 Kommentare