Don Juan (lokal)

für Jum 

zu finden nur im vorbeifahren
den hut in den haaren vergraben
der mund auf kippe
und sähe man genau hin
zwitscherte ein vogel
im augenwinkel eine dissonanz
im nageldreck wächst es blumig
daher er luftküsst dann bloß
schräg oder links daneben
und immer hinterher sein mantel
der FLAFLAP
in der lende widerhallt
bis er erneut eine runde dreht
und in die luft küsst

Veröffentlicht unter Nele Wolter, TEXTE | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

Landstreicherlyrik V

18182010 1824 Berlin/Jungfernheide

und ich
pfeife die letzten Töne für
ein Stück Sommer
aus meinen Windungen
ganz gelöst von Verstand
etwas Größengewaltig und
außerhalb der Realität vielleicht
und doch schon nicht schlecht
im Klang und
ganz klein daneben
fuße ich Ufer auf alten Gehsteigen
die mir so fehlten dort
klopfen müde Schuhe
den letzten Takt Märchen
auf ein gemaltes Pflaster
und
in den Taschen klimpert ein Metall
das so oft die Welt bedeutet
die mir schon gehört
verhörte ich mich?
Nein entschuldigen Sie aber
ich bin grad zu viel König
für das

 

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

Landstreicherlyrik IV

25092010 1423 Beim Dämpfen

Her mit den bunten Bildchen
-Freund.
Dichter war ich nie,
und nochmal jung sein
ist ein schlimmer Wunsch,
warst du nie ein niedlicher Poet
unter Windes Weiden?
und so romantisch gesäuselt
wie jetzt
bleibt nur ein Grinsen,
und ein paar bunte Bildchen
für später

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

und ich

mit grobstrich gepinselt
in irgendeiner farbe augen
salz & mint die lippen
siehst
bilder an der wand rahmen
geruch im hautschuppenstaub
gehst
in andere tageszeiten

Veröffentlicht unter Nele Wolter, TEXTE | Verschlagwortet mit | 7 Kommentare

(ohne titel)

Danach gibt es kaum noch Grund für Fragen und es fällt
dieser fadenscheinige Regen, der allem Gewicht gibt,
durch den sich manche Ampelstreifen noch ahnen lassen:
Alle Stifte vergessen zuhause und das Papier sowieso,
nur in den Wiederholungen dieser Fahrt

werde ich darum Wurzeln treiben in die Steine eurer Berge
und wenn überhaupt dann ein Zettelquadrat finden
zum Beschreiben mit höchstens anteiligem Verständnis
meiner Lust an Fragen, vergraben in den Fugen vor Haus 42,
wo ich im Regen, wenn alles schwerer wog,
nach Grün schrie, nach einem Zweck zu meinen Mitteln,
verdreht zwischen den drei Ufern meiner Fremdsprachen,
und später geflüstert:

Wenn ihr jetzt alle zuseht wähle ich
einen Einzelnen

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 7 Kommentare

endlich

die drachen fallen aus dem himmel: es ist herbst geworden,
hier und an allen orten mit denen ich telefoniere,
jahreszeitenunabhängig, hier und besonders: auch dort,
wo die bindungen gerade erst neu verleimt wurden

aneinander gelehnt wie buchrücken, an menschen die
in entfernungen von fünf bis achtzehn fahr- oder flugstunden
nicht wissen können dass ich sie ansehe und die
mein blicken deshalb nur ganz leicht am schulterblatt streift

was davon über bleibt verliert sich auf unterschiedliche arten,
klebt meist, in abgebrochenen leitungen, auf falsch adressierten briefen,
am boden von kisten voller sand und souvernirs, oder öfter noch
ganz unten an durchgeweichten blättern in den straßen meiner zeitzone

es dauert dann aber nie lange bis die tage sich wieder verlängern
zu geschichten die wir uns erzählen wenn wir uns kaum noch hören
können im klimpern von sprachen die sich nur halb verstehen
– was bleibt ist dann endlich

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

aus: 52 atemzüge eines sommertags

der ton war hell und widerspenstig. er überschwemmte die
ganze stadt im nu. es war diese volle tiefe des sommertags,
die abgelaufenen abläufe jedes einzelnen, der auf die straße
trat, es waren diese aufgeladenen akkugeräte, die gespräche
noch ermöglichten. vorne, am einen ende der straße, hatten
fußgänger ihren lauf genommen, standen still und zollten

ihrer haltung geltung, vielleicht zum ersten mal. unwidrige
umstände hätte man es nennen können, handlungsbedarf. es
gab rauchschwaden – oben, hinter den dächern, und unten,
vorm gesicht –, die rauchschwaden waren. und immer wieder
dies: metall auf metall und plastik auf plastik. diese nächsten
stunden, die absehbarer kaum hätten sein können, und doch

kamen. es war, mit einem wort, wahr wie vieles seit dem tag,
von dem wir ausgegangen waren, aus- und eingetreten in den
tag, zu sechst oder siebt, je nach dem. es war ein unfall. frag-
los ein fall, den es noch nicht gab. er sprach sich aus am andren
straßenrand, ging wie ein ruck und saß, galt in der tat: ein
junger junge duckte sich vor einem kommenden ball. doch

sein fangarm hing schlaff. er hatte seiner statt gehabt. und wir,
zu sechst oder zu siebt, malten uns die kommenden sirenen
aus, die konzentrischen kreise angelockter menschen, die für
einmal menschen waren. unser ablauf verließ den raum zuguns-
ten eines anderen. wir hatten eine katze für die ratten, die stadt-
ratten waren, v-männer der wirklichkeit. und wir holten atem.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

Weißensee

die tristen gebäude der vorstädte
deren schlichte überlagerung
hinter zentimeterglas wo man
sitzend die eigene suppe löffelt
und abends eine flasche zersägt
um die es auch nicht schade ist

was wollen wir trinken summt man
in das frühe auge eines sonntags
mit gesichtern in der bahn
die häusern gleichen
an deren rändern wolken
ein himmel aus lapislazuli

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

gestaffelt ostwärts

die optimierung des plots in vergangenen jahren
gestaffelt ostwärts ohne altersbezüge
betrügt sich der herbst um die letzten
sommertage in den stunden
als jede zukunft anfälliger wurde
für unsere ziele im großformat zunächst
die bemühung um sortierte schritte von distanz
betrachtet titellose weiße wände
(des sinns wegen töne) im vinyl
gesucht schält sich der morgen (wie abgesprochen)
aus dem was wir heimat nennen
oder diagnose licht wie aufgespart anderswo
drückst du halbe zigaretten
an bahnhofswände bevor abfahrtssignale –

kanalisierte theorien einer jugend die bricht wenn man
sie zu stark fixiert auf bildschirmflächen
stapeln sich augen als verdiene man nichts
als spätfolgen hier draußen herrschen
nebenumstände und existentielles
geschieht manchmal im zusammenhang

Veröffentlicht unter Rebecca C., TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

Landstreicherlyrik III

13072010 2203 Kälberweide

so unendlich soggezogen der Puls
auf den letzten Metern
und später- nein da war doch was-
nicht zu vergessen
das Grübeln in der Nacht und
die Hitze in den Betten da
brodelt was von
Sommernässe lässt aufwarten
der bloßen Vermutung
auf frischen Wegen -Begleiter
Bleiben ist wider dem Strom
der geht durchs Mark.

Veröffentlicht unter Maria Natt, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare