Tristans „sie verschränkten sich“ über „Love ain’t (Remix)“ (Cunninlynguists)

sie verschränkten sich zur szenerie am tisch mit
taktvollem taktieren. könntest du mir bitte den tee
reichen
und einen anderen ton anschlagen? zu sagen:
danke. sehr. familiär: intern prekär, extern schwer-
lich nachzuvollziehen. sprich: wir lassen den tee
erziehen. fünf minuten. stand auf der verpackung.

sweet sue, just you, auspacken. der tisch gedeckt, das
gedeck aufgetischt. wie die entdeckung des anderen
kontinents: das wasser die tasse, die scherben das
glück. der große teich. ein stück weit zweisamkeit.
tadd’s delight, budo, ausgepackt. dann kam am tisch
einiges zur deckung. zur entdeckung ‚des anderen‘.

fünf minuten der beweglichkeit. im großen ganzen
atonale dissonanzen. neue musik. dann: susie q. und:
seit wann rauchst du wieder im vier viertel takt. kaum
nackt, schon wieder anzüglich. wer was umgestürzt
hat. verklärt im ton, das schwert des salomon. immer
diese geschiedenen einzelkinder!
versäumen, abzuräumen.

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Tristans „fehl am platz am fenster“ über „Destinée“ (Booba)

fehl am platz am fenster

in allen details eröffnete sicht den
rahmen gebrochenes licht, im grünen
whatever der kuckuck und die elster, sti-
bitzte traum-gesichte liderlich, ihr kennt das,
wenn ferner vom fenster im mittag was nickert,
sich verspricht zu verlaufen, ich, im werdegang im
sterb-herbst der abfall vom geäst, von und zu braunes
whatever, zu winter-ein-schlaf-auf-aus-ge-träumt-es-über-
ich-er-laubt, aufgebäumt abgerauscht im bilderverlauf unter
holz den platz getauscht, nestgehocke oder in lauter vermittelte,
die kaum behalten, baum zu sein, wird schon stummen im kern der
gebüsche: ich, im still gegrundet, das zu knacken, was welt sicher nicht
gilt, doch ohne schale wohl ließe.
___________________________aus-schlaf geschälte gesetze:
_____________das handy tingelt ans fenster, als grenze ans lose
_____________bloß das gefundene, als ein luftzug den atem anhält
_____________zu stoppen, verwirr in den augen verorten: das blaue
_____________whatever
_____________________dürfte der himmel sein.

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ich bin der könig in einem elektrischen königreich

ich habe seit zwei tagen das haus nicht verlassen
ernähre mich von radiowellen und grinsen:
ich bin der könig in einem elektrischen königreich

ich seufze manchmal vor glück und kraule meinen panther
um meine füße sammeln sich infotainer und narren das ist gut
ich bin der einzige der traurig sein darf

das volk ist freundlich und hat ein großes herz: jeden morgen
geht es in den garten und gießt den regenbaum
und richtig so: die regenstruktur geht den tropfen voraus

für mich gilt running things smoothly und irgendwo
im ewigen eis ist bewegung und blockade in massen das schockt
und ich ja was brauche ich schon?

draußen werden die tage länger das kann man sich vorstellen
da schlagen märchen ein auf schritt und tritt
die frequenzen wuchern der regen blüht

auf youtube springen die springer rückwärts
aus dem becken ans land und dann lädt ein interview mit
michel foucault: bonne nuit mein könig sagt mein panther

bonne nuit sag ich

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verhangenes glas manches

verhangenes glas manches
verzweigt sich in hinterhöfen im
perspektivwechsel haben wir viele wüsten
wiedererkannt am stand der sonne an
eigenarten an denen
sich die gesamtheit zum ende hin
seltener brach auf den schultern
des anderen antworten
als wäre alles längst aus
gehandelt erträgst du die wolken jetzt
näher am boden die wege an die tür
gelehnt da klebt noch abgesang
im haar die vögel sind
lauter geworden die die dich mitziehen
südwärts versprichst du noch im must

go on da sind die straßen
einspurig da bleibt man verfolgbar

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kastanien und alkohol

die melancholie im zug europa kennt keine grenzen,
dahinter räumen ausländer das bordrestaurant auf.
jede arbeit findet ihren niederschlag am ende
der fahrt im schatten eines komplexes,
da steht man neben der kippe, der fado läuft aus der lounge.
man tauscht sehen mit anderen, spricht sprachen.

die vorplatzbäume grenzen an verlaufene sternbilder,
antennen aus der zeit der arbeitenden bevölkerung.
darunter die infrastruktur des abschieds, über den gleisen
sollte stehen man sieht nicht wann es weg ist,
und ganze frachtzüge voll kontinentaler erde fielen ins meer.
vorm anschluss stattdessen kastanien und alkohol.

dem schaffner fehlt ein größerer zahn.

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sommerliche simulation der landschaft in echtzeit ohne vögel

der sommer ist strukturschwach heute mittag am meilen-
schweren flussufer unter einem den vögeln aberzogenen himmel
herbste kauabfallprodukte und zeichen neuerer jahreszeiten:
regere sterbeproduktionen zu wasser und an land und da liegt er
atomisiert und gespalten verwertet als kleinstes vielfaches: vielfach

entwickelter film auf der straße und in der luft in den sommergesprächs-
apparaten am viele meilen schweren flussufer entlang heute mittag (der
sommer) mit pixeln als groben vogelproben und baustellen vielfach schraff-
ierten stellenanzeigern noch fehlender teile und immer wieder stillgelegten
grundsteinen viel zu blühender landschaften der verarbeitung im mund

löst sich körniger teig da gehen die milch und das bier noch
gemeinsam ihrer wege und die wilden bäume schlingen sich im wind
zusammen bis sie brechen herrgott die speicher sind voll und groß ist der
sommerbegriff leicht fehlerhaft verarbeitetes strukturdesiderat sehr groß vor
künstlicher verknappung und blendend jahreszeitlich belichtet ich

habe am boden einzug gehalten mit abgeschossenen vögeln den
schnappschussleichen in den obstschalen der tätigkeit sozialen tatsachen
und sieben privaten suiziden: es kann nicht die rede von etwas sein das fehlt
zumal heute mittag in der blühendsten sterbeproduktion am fluss dem still-
leben einer bewegung: sommerliche simulation der landschaft in echtzeit
ohne vögel

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

Am Bootshaus

Am Bootshaus

Am Bootshaus lag ein schöner See und
vor dem See, da stand ein Bootshaus
nein, gleich mehrere befanden sich am
Uferrand und formten einen Hausverband
der, abgesehen von den jeweils anderen
sich im Verband befindlichen Gebilden
einer Handwerkshand, noch jedem Haus ein
Mindestmaß an Ruhe dort zum Teil versprach

Und an Bewohner dieser wasserdichten Kolonie
Betreffendem, da ließ sich schonungslos
versichern, dass an Altersschichten alles
mögliche vertreten war und dass ein jeder
ob noch jünger oder etwas weniger, die Ruhe
ganz genoss, d.h. die meiste Zeit und gerade dann
als eine nach Vergleichen ziemlich junge Gruppe
ihres Weges kam, vielleicht doch etwas weniger

Die Gruppe kam vorbei, um auch zu bleiben
denn ob eigentlich woanders, wenngleich
sehr weit nicht verschieden, eine Bleibe
ihnen umstandshalber zugeschrieben war
so gab es doch Persönliches, das sie des
Weges trieb, dass ihnen unstreitbar Ver-
wöhnendes in Form von einem Bootshaustraum
an einem See und ungestört vor Augen stieg

So waren sie denn auch beeindruckt
von der wahren Abgeschiedenheit der
Lage, in der sie sich jetzt befanden
und bekannten umstandslos, dass stadt-
gewohnte Blickmaschinen wie die ihren
solche Sachen viel zu selten sahen
und vergnügten sich mit jener Aussicht
ein paar ruhige Tage dort zu schichten

Doch fand sich das Vergnügen nur auf
ihrer Seite, also direkt da, wo ihr
Bootshaus das Ufer säumte und schon
nebenan bei Nachbarn hieß es vielmehr
das Geträumte aufzugeben, jene stille
aber ganz reale Hoffnung beizulegen
dass ein Fleck auf Erden es vermöchte
ihrem Anspruch noch gerecht zu werden

Erhoben wurde dieser Anspruch auf die
Ruhe, die verhießene, die auch den jungen
Ankömmlingen alles andre als verdrießlich
vorgekommen war und die sie trotzdem
durch ein lauthalsiges Dasein zum Vergnügen
scheinbar ohne es zu merken sabotierten so
zumindest in den Ohren ihrer Nachbarn während
Augenschein noch immer Ruhe suggerierte

So stand am See ein Bootshaus nach wie
vor und neben ihm noch weitere und musste
auch das Ganze nun mit zweierlei an Sinnes-
möglichkeiten streng vereinbart werden,
konnte es doch werden, konnte es doch
sein, denn wirklich hielt der Traum von
einem Bootshaus viel bereit und war indes
schon Wunder was für Wirklichkeit geworden

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

straßentheater

in fußstapfen treten
spuren suchen und
in eine rolle schlüpfen
ich dichte sie auch euch an
die frage wäre ob abzulegen
was mühsam angelegt und wann

fallen die blumen aus den kübeln
die wir meistens mit bier begießen
während sie aus allen geschichten schießen
die wir zwischen die dinge schieben
und auf den fahrrinnen surfen der menschen
die die blicke gesenkt halten und die stirn
kraus wenn wir sie angehen und sagen:

wir wissen was und fragen: warum sie zwischen
supermarkt und büroklappen das angebot nicht annehmen
einen aufgerollten mops, etwas schmackhaftes
oder wenigstens uns legen wir auf die bühne
die wir auf und wegen den wegen immer dort richten
wo wir meinen man ginge auch anders
und wir erst recht würden anders gehen

Veröffentlicht unter Paula Glamann, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

die stadt war wolkig

Die stadt war wolkig: niemand schrieb über sie,
auch nicht in diesem katzensprungsommer,
in dem wir (springend) die regel aufstellten,
dass niemand jemals gehen dürfte:

nicht aus dieser Stadt, deren nachthimmel wir
ernst nahmen, in der sich aber zum glück
immer noch ein feuerzeug fand, sodass wir
zwar im dunkeln nicht lesen aber doch

wenn nötig sichergehen und ein kurzes aufflackern
unserer gegenüberliegenden gesichter
sehen konnten, fast so gut wie das fenstermuseum
auf der anderen straßenseite, wo wir

zu sommerbeginn gewartet hatten und wo jetzt
unser bedarf an wolken täglich stieg, sodass
wir kaum zeit hatten, nicht noch mehr zu verlieren
und uns trafen (worauf wir uns immer trafen), auf

blätter und löffelweise blauen himmel, auf
gestockte gespräche wie eiweiß, auf eine
hängengebliebene platte im café die so leicht
in der luft schwamm, dass man ihr problemlos

minutenlang dabei zuhören konnte, eine versuchung
der wir dann aber doch widerstanden; stattdessen
saßen wir auf bänken im park und beobachteten
unsere zunehmend hilflosen schuhe

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

komplett überarbeitete Version

an diesem punkt verarbeitung der letzten nacht in anbetracht betreiben,
sprich: was eigentlich verkehrt ist an verkehrter sicht. was dafür spricht,
auf tee zu setzen und das nötige gespür. und wie geschehenes begegnen
revue vertiert sein kann, vorübergehend schwieriger als nur: die benannte
hirschkuh gibt es. sie existiert konkret. sie lebt. durchwacht die ganze nacht.

kaum irritierender am tag danach: den entschluss zu tassen zu fassen. sein
lassen und ihr ziemlich unziemliches gesicht, sprich: bände zu träumen: es
fänden sich hauptsächlich daunen auf den brettern, die die welt bedeuten.
wild dann interpretieren: wie es uns befällt mit bezug auf gänse und enten.
und lässig bewenden: schon schwane der genuss. des weiteren schlucks.

doch stracks ab ins gefecht: nämliches pferd im schilde geführt, sprich: ca.
zehn jahre troja und dann das: reit das tier verkehrt. siege invers. sei bereit für
uneigentlichkeit. dann zähme man das irritierte nämlich erst, wie: anbetrachts
der tassen im schrank das bäumen der animalischen träume zulassen. auf dass
auch nach dem morgengrauen was auftaut. schenke man sich den rest. aus.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare