es ist mehr als wasser

jetzt erst recht eine geschichte in
die welt schreiben
mit
elektronischen seitensprüngen aus den
ufern laufen und stolpern
das sprechen mit fehlern zu beispielen
(für eine gemeinsame
sicherheitspartnerschaft) –
solange es nicht um identität geht
immer schön
singulär den kopf hoch aus dem tief
den hals aus der schlinge in den
radioaktiven regen

es ist mehr als wasser
was dann hängen bleibt
und
durstig macht

Veröffentlicht unter Helene Könau, TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

A2 mit bäumen

am horizont aufgereihte bäume
ein barcode für den himmel
aus mattem porzellan die augen
rechnen sich was aus dem blick:

der gummitwist in den überland
leitungen wie viel kinder spielen
hinter den scheiben der raststätte
draußen das kippende bällchenbad

am beckenrand der bagger macht
den hüftschwung mit schaufel
zur verlängerung des aufenthalts

die bäume fahren später vorbei

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | 13 Kommentare

tippkick der innenhöfe

tippkick der innehöfe: fast die zeit
für einweggrills und kinder draußen
das spiel mit markierungen am rand,
im kopf, verlängert für den moment
eines ersten fensteröffnens im märz:
versuch von frischluft, perspektive &

tippkick im innenhof: nur angestippt
die köpfe im spiel aus dem fenster
rieselt was in den nachmittag: i guess
i’m already there, der halbzeitstand
kullert über die spielfeldgrenzen &
endet unter ferner liefen im flur

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

leaving greensleaves

holland war weit weg und tulpen
eine frage der verwandtschaft
mit feuchten haufen muttererde
vor baumärkten unter normalnull
eine promoaktion der blumenlobby

erste manöver der pollengeschwader
japsten im ozon der ferngespräche
und trieben in einer umlaufbahn mit
den liedern besoffener astronauten
die vormittags schon tranken

abends fielen sie als kleine springer
mit aufgespannten schirmchen
aus blühenden himmeln
gruben sich in eine stellung ein
und belagerten die saison

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | 13 Kommentare

session mit bildern (fragment I)

in einem dieser monate also, als du mit bösem blick in jede zweite ungeschälte birne bisst, gruppierten sich hinter deinem rücken wolken zu warnungen, züge fuhren durch rohe tunnel hinter deinem ohr und die ganze zeit lebte ein volk pelziger bienen in einer falte deiner hose. du warst gerade weg als die fraktalen körner vom parkplatz den park für die anderen zur dunkelheit einiger wüster monate machten. du gingst in den zweiten stock zu den leuten, deren wörter man langsamer, ungewaschener sagte.

und hinter dir tanzen die studenten und stampfen mit gin gedankenlos die fliehkräfte in den grund. es hat geregnet, die sonne scheint nur unterm laken. alle bringen sich freiwillig ums jahr und du kennst das und präsentierst die gebleichten, recycleten seiten deiner innerlichkeit, als würde keiner gucken. du weißt hinter der luftlinie im regen taumeln punker um die krumme lanke und baumleichen säumen die erdbeben- und erdbeergebiete auf dem weg zum bus.

du umgabst dich mit engelstrompeten und hunden, die glorie trat aus allen poren, als zum zweitausendsten tracking shot die erste bong die runde machte. die arme wurden hochgeklappt, der landwehrkanal schloss im hintergrund die augen, was kam war gut und folgte den beats einiger aufgescheuchter flügel am stadtrand.

in einem dieser monate also, als du überall hingst wie die kreuz- und querverschlüsse der umleitungen für tauben, schweine und müll, klopfte dir vielleicht einmal am bahnsteig ein obdachloser auf die schultern und du, du hattest nur augen für diesen haufen undokumentierter flamingos, die in diesem moment wegflogen, und geld daließen für ein paar schrippen beim bäcker. die treuere freundin zog als erste nach peru und du nähtest dir die anschlussstecker für ihre gitarre ins gesicht.

und die studenten verlassen ihre gebiete, du bist dabei, die studenten sind unruhig und gehen in die gay bar, weil sie lustig sind, werfen sich jonglierbälle und wasser ins gesicht. die wolken über der stadt sind schon wieder vereint und zwischen zwei fronten sperrt sich der ausgang zu einem tiefen sommer, in den zeitungen knistern die röhren zum meer, in denen das abwasser steht und wartet und singt. du weißt jetzt was status heißt.

vielleicht hat es sowas wie den sommer auch nie gegeben, vielleicht sind die bäume immer als erste abgehauen und der rauch war vielleicht sumpfig und roch nach zuhause, wie das unermesslich schmutzige gelbe boot auf dem dach gegenüber. vielleicht waren die tiere im zoo allesamt schon abhängig von einer droge, die du nur noch nicht kanntest, und die bestimmungen noch gar nicht eingeführt, anhand derer du an deinen grenzen schafe schießen ließt.

was es wohl gab waren umwege, vorteilhafte wechselkurse im gespräch und abgeschaute flügelspitzen benachbarter brandmauern, schlagzeugsoli in einem raum, neben dem die eltern mit verzahnten mienen joints rauchten und ihre kleider tauschten. wohl auch einen abend, an dem hinterm gasspeicher der rasen ausgerollt wurde, und vor der bank die schauspieler ihre waffen zückten.

aber eigentlich waren die monate zu lang, als dass du das, und den roten einbruchswinkel im laubendach und die millionen zigarettenstummel, die später ins lagerfeuer gekippt wurden, hättest beschwören können, zumindest nicht ohne danach, in völliger dunkelheit unter drei tonnen holz wie bekloppt über die seiten eines buchs zu fahren und zu weinen.

und die studenten zertrümmern die jam session, singen arbeiterlieder und werfen die würfel ins glas. die letzten tänzer sind besoffen und schreien den mann im ticketschalter vom mond an. die pelze der stadt fahren auf allen bahnen zurück, und du hältst das maul und fängst an dich zu verlieben, überlegst kurz und beißt dann, wenn keiner guckt, in eine ungeschälte apfelsine und fährst mit der zunge über ihre handwarme, orangene gänsehaut.

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

[ein störsignal]

ein Störsignal im Radio
ich höre, das hatte ich vergessen

es driftet ein Berg Wäsche gen Westen
die Corioliskraft zieht weiter
an den Wänden Chaos und Kosmos
da wird kein Durchkommen sein
ich fühle, es fühlt sich Wetter an

der Sonne endlich ist nichts mehr vorzuwerfen
sie begleitet mich zum Badezimmer
wo ich unerwartet in einen Nadelbaum beiße

meine Wohnung ist strategisch bewaldet
das kommt mir heimlich vor


Veröffentlicht unter Paula Glamann, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

LESUNG: hall & rauch

Nächsten Samstag ist es so weit – G13 zelebriert den 1. Geburtstag unseres Blogs mit einer langgeplanten Lesung in der Lettrétage in Kreuzberg und lädt hiermit herzlich ein! Nämlich am 26. März, 19.30 Uhr in die Methfesselstraße 23-25 zu

hall & rauch

eine lesung mit: rebecca ciesielski, max czollek, paula glamann, helene könau, alexander makowka, tristan marquardt, maria natt, can pestanli, friederike scheffler, lea schneider, yin tsan, ilja winther & nele wolter

in szene gesetzt von tea kolbe

und darum gehts:

g13, ein wohnzimmerkonspirativ junger lyriker_innen, extrahiert seit 2009 neueste fluten wortgewalt und bierreste aus plattgesessenen teppichflusen. 14stimmig von versneid bis weltgeltung…: wir finden uns irgendwo zwischen paradies und späti, zwischen tel aviv, shanghai, oldenburg, london, jena, liège, münchen und friedrichshain. gemeinsam stellen wir uns jetzt einen abend lang vor papierwände, treten erste türen ein, lassen die szene knirschen und rauchen zeichen: texte über strukturapokalpysen, popsong-monopole, brennende heidschnucken und ein paar verkappte feen. von 8-bit-symphonien, biermantras, titellosem und großen würfen bleibt: hall & rauch aus zwei jahren auf dem papier eines abends.

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VIDEO: Max bei der Leipziger Buchmesse

wupp! wupp! schaut euch mal das hier an ;)

(das original mit vielen anderen stimmen unter: http://www.leipziger-buchmesse.de/box/)

Veröffentlicht unter PRESSE & BILDER | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

leierkasten

eine sekunde sandet auf
ein ton entrückt sich
kurbelnd reproduzierte
krümel eines kinderreims
taschen deiner latzhose

melomanie

taler du musst wandern
auf simpelstem klang
in allen westen uhren
tönen nach im überschritt
einer viel zu lauten dämmerung

 

 

Veröffentlicht unter Nele Wolter, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

julimitte oder vergleichbares

in diesem lichtfallwinkel gehen wir 
von zartem blau gesäumt der sonnenstand
sehr unbeständig lieblingsszenen 
florieren in reality 
nur manchmal werfen wir uns 
mangel vor gleich hier (man wird ja 
auch nicht anders oder besser) drum
müsste man sich action denken
vielleicht kirschen schenken 
ohne gegenleistung 
jetzt ein abenteuer! die neue nacht 
die kennt das schon den wahn 
einzelner ein leeres unstillbar
lass uns doch die netzhaut tauschen 
jeden winkel neu ausleuchten
das ist wie kindernamen ausziehn 
schicht um schicht
flying high on freedom!
das wäre was: noch einmal zielen 
auf den gartenzaun die zollstation 
zum stadtaußen genau hier
im standlicht von vaters bmw
neben maulwurfkot und
profitabler landwirtschaft 
schmeißen wir die körper
in den teich mit urvertrauen 
zum intergrierten filtersystem
Veröffentlicht unter Rebecca C., TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar