genegoismus/denn irritation ist das meiste

denn irritation ist das meiste gegen morgen
fiel mir auf: du hast die hände
meines vaters darunter zu verwalten
eine weitere schicht halbroher grundierung
die konstruktion der erhellung
mitten in die raumordnung hinein wie sich
die ausrichtungen retten durch generationen von
fallstudie zu fallstudie ein betasten aller induktionen
ein impressum gefüllt mit
ergänzungsstrichen und schleusen
am unteren bildrand hin zur signatur
des verursachers du hast
die hände meines vaters das ist
auf vielen ebenen verstörend und mindestens
auf einer vertraut hinter diesem stigma
knoten wir unsere topographien
enger von rendevous zu déjà-vu
das reziproke aus dir
und deinem nächsten du hast
die hände meines vaters
hinter unseren rücken erklärt

Veröffentlicht unter Rebecca C., TEXTE | Verschlagwortet mit | 4 Kommentare

über sprengstoff schweigen

ich kenne keinen von euch
ihr grauen herren auf der straße
wenn ich euch auf die füße
hüpfe wisst ihr was ich meine
fragezeichen

ich kenne keinen von euch
sprache bringt nichts
ich hülle euch in ihre thesen
ihr mich auch
fragezeichen

ich kenne keinen von euch
entschuldigen sie
das rümpfen ihrer nase
galt das wem oder den tauben
fragezeichen

weißt du wer die einkaufstüte
liegenließ welcher bus
umfährt die grauen herren
die sie gerade sprengen
um des nettos willen
fragezeichen

you don`t seem to understand
ich kenne keinen
punkt

Veröffentlicht unter Paula Glamann, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

jetzt in Überarbeitung

in jenen tagen schlug nichts mehr auf den magen. man war
so freilich und lebte überhaupt. man sagte: das ist das haus,
indem ich hause, und glaubte auch: an altern, insofern alter-
nativ. nichts nahm einem die sprache, solange man selbst-
redend sprachlos war. man schlief […]

[…] das aufbäumen des inneren tiers, das existieren der inneren pflanze, darüber: das spüren, das wühlen. war schon ok. man ging aufs ganze,
gabs eine liebesnacht in spe:  […]
wir und 2010.

[…]die cola kostete 1.20. rewe war im grunde
billiger als kaisers. auf dem kudamm wurde eine kuh gesichtet.

Veröffentlicht unter TEXTE, Tristan Marquardt | Verschlagwortet mit | 7 Kommentare

hier

eingefangen.
zwischendurchgefragt.

manchmal ahnten wir den geruch von autopolstern
dann aber wieder der blick ins blaue.
nackenstarr.
nur wolken ziehen weiter.

immer noch fließende regengüsse am glas hinab
von läufen durchnässte füße.
regungslos.
kalt ist es nicht.

unterwegs.
sagnieniemalsankommen.

Veröffentlicht unter TEXTE, Yin Tsan | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

an der frontseite der nacht

eigenduplikate auf schwarzem glas
vor fahlen wänden im nahkampfbereich
der straßen alternierend mit bunten flächen
der orientierung wegen hinterköpfe
die sich zu strömen subsumieren und bilder
an der frontseite der nacht sind nicht zu überführen
in die umfelder der handgriffe die uns tag bedeuten und all-
die warten ahnen jetzt wenig die verfrühten
münder schmal auf gedrucktes gerichtet auf fingerspitzen
die einzelne silben verdecken das fällt
nicht weiter ins gewicht kaum ins ganze geht es

gegen zwei war der regen schroffer geworden die wolken
die fallnetze bilden zum oben hin und der druck
der hände die augenränder abtasten nach querverweisen
vergangener aufbrüche und routinen auf rückwegen
fragen manche nach geld  oder koks und zuhause
brennen keine lampen mehr das ist legitim
erschwert aber den zugang zum anfangspunkt

Veröffentlicht unter Rebecca C., TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

Anatolien/Kurdistan/Bus

was da vor den fenstern liegt
kooperiert mit der geographie
(alles wird mediterraner)
das licht hat es sich im fluss
bett bequem gemacht und lässt
steine mit dem abend wachsen

draußen stakt eine reihe
olivenhaine aus dem boden
knapp hinter einer grenze
die man unbemerkt markiert

innen verdampft tee im licht
einer schleichenden zeitlosigkeit
zwischen glas & klapptisch
sitzt man ganz ohne spuren
und wenn jetzt etwas passierte
wäre das eigentlich nirgendwo

Veröffentlicht unter Max Czollek, TEXTE | Verschlagwortet mit | 5 Kommentare

Im Kaffeehaus

Wie sie da sitzen, sie und er auch,
alle beide bei den umstehenden Zusehenden
beinahe schwitzend, obschon keine Augen,
außer die für sich besitzend, sodass Beine
ganz allein auslaugen, während deren Träger
ganz beständig den Gedanken schwenken,
wie es wäre, sich an seiner statt in
jenem weiten Sofabett zu renken.

Das Renken ist vielmehr ein Räkeln
und die Wände sind auch nicht getäfelt,
folglich fehlt es nicht an Fehleinschätzungen,
gelegentlich sind davon gar genug vorhanden,
aber hierzuland – in diesem Saal – ist jenem
anders, denn das Sofabett ist weder weich,
noch groß zum Liegen, sondern einfach
Fläche und der Name daher fast intrigenhaft.

Dennoch wird von ihnen ein zentraler
Platz in diesem Saal besessen und herum
wird munter Füße scharrend unterdessen
eingestanden, mit dem Rücken an der
tapezierten Wand, dass wer da sitzt,
die Leute auf den Beinen sehr entzückt und
dass sie vieles geben würden, sich und sie
von ihm und seiner Bürde freizulegen.

Wie gesagt soll selbstverständlich nicht
gelegen werden und deswegen nicht verzagt,
muss ich mir selber etwas scheu beteuern,
denn es kann ja jene Jugend auch genügend,
wenn nicht alles, gut im Sitzen überblicken
und dabei noch Schwingungen auf jedem
Weg verschicken, unausweichlich sitzt hierfür
mir gegenüber dieser lebende Beleg.

Nun lenkt das Wort Beleg in meinem Kopf
die Dinge wieder so verfänglich, dass ich
umzublicken mich genötigt und voll Schrecken
außer jenen beiden, die jetzt selber stehen,
nur noch die Bedienung sehe, die den Thresen
putzt und während ich das gar nicht fassen
kann, sind meine Füße derart lahm, dass
ich als Allerletzter diesen Saal verlasse.

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

Hasenfeste

Du, der Rasen, der da war,
es waren viele Hasen dort
auf dieser Wiese, die ich mied,
doch die mit dir ich übertrieben
gern durchlief sowie noch viele
andere Programme jener ganztags
angesagten Weltmaschine, derer
manche sich auch autopilotieren
könnten, denen allerdings dann
autonomes Fruchten unter freiem
Himmel, einem Blechdach oder
sonstwo keiner gönnte.

So musste ich beim Anblick jener
leeren Wiese denken, wie wir beide
uns mitunter so viel schweren Aufwand
schenkten in gesunden Stunden,
da wir nur wir beide waren und
Erträge fanden, die in ihrer blanken
Delikatesse mit niemandem besser
zu ertragen waren und auch wie wir
derart viele Hasen auf dem Rasen
aufzuschrecken in der Lage waren,
die doch auch nur lagen oder saßen,
nichts anderes als wir taten.

Heute gäbe ich Einiges, um wenigstens
ein wenig abseits, dort vielleicht
im grünen Klee – zum Glück – ein
einzelnes Häschen nur zu finden
und dann, wenn ich es denn fände,
käme es zur Wiese schon zurück.

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

siehst dumm aus wenn du traurig schaust
und um die ecke
du bringst ins tagebuch von reisen gerne
geistige ölsardinen mit und honig
die du gemeinsam dann verspeist

setzt dich zu tisch mit deinem ich nicht
nur bei schlaf und nacht fällt dir das
schnarchen leicht und so ein
ich kann man tatsächlich immer weiter
füllen

duett was mich befragt das findet
woanders statt als am sitz-hier-tisch
aber du magst es ja das suchtverdankte
und unbedingt mögliche dass
zum nebenbeispiel vieh laicht

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

die gelben kühe

die gelben kühe am rand des schulhofs
brennen und sind vergessen
die türen und fenster sind offen
die sonne hat böse absichten
sie raubt die luft
die zigarettenstummel riechen nach reiswaffeln
oder blaubeeren aus gas
drumherum war damals ein zaun
damit nichts passiert
und der wald war vermessen
der könig hatte die schwarzen tiere
geschlagen die ihn schwarz machen wollten
nichts ist passiert

und die blumen spreizen ihre blätter
in eine dicke stille es ist nichts
übrig geblieben nichts
passiert falsch vermessene orte
die freundlichen schwarzen wälder der toten
der sonnengelbe rauch vom mund des vaters
in den fünfstöckigen hinterhof
da springst du nur einmal
der schock über die bewegungen der eigenen hand
die brennenden kühe ohne augen
ganz alleine auf dem schulhof

und er hätte doch laufen können
das hätte eine schöne wolke gegeben
eine reine weiße welt
aber es ist nichts übrig geblieben
der zaun ist gestrichen die blaubeeren liegen
in hallen mit dämpfen vom dach
und du und ich mein bruder wir gehen immer noch
zugrunde am kleinen einmaleins
zwischen uns und der tür
die offen zurückstarrt

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar