casa azul

brunnen der nach himmel pumpt
nach staub wird noch gefahndet
in coyoacán, die zwei fridas auf blättern
die kahle, der alte raffzahn, die gegrillte
la tostada, la mera dientona, la pelona
rufen auf dem weg nach mictlan
begleiten hunde auf rundreise zu immer neuen toden
im körper, im bild der gleichen, schein von natur
ranken wurzeln, zerteilte samen (magenta)
früchte, mexicanidad, aztekisch verletzte
man hielt mich, das ist nicht richtig
ich habe niemals träume gemalt (hellgelbgrün)
mehr irrsinn, mysterien, alle gespenster
tragen kleider oder solche unterwäsche
was ich dargestellt habe, meine wirklichkeit
was mir das wasser gab (blau)
und reinheit liebe (blau) entfernung

erinnerung an die offene wunde
zwei akte im wald an der grenze
diego, mein kleid hängt dort
die zerbrochene säule, diego
la llorona, ich und meine puppe, chava
das war meine geburt
ein paar kleine dolchstiche die medizin
warmes gutes licht im kokon (grün)
gefesselt an patente auf wachstum
nichts ist (schwarz) wirklich nichts
fortschreitend im unterleib
das bildnis des burbank (blattgrün)
wissenschaft, blätter, traurigkeit
malerei einer kranken, warum sei sie
kämpferisch, das kann ich nicht
mein selbstbildnis im samtkleid (blau)
auch zärtlichkeit, farbe der mole
des schwindenden blatts

Veröffentlicht unter Paula Glamann, TEXTE | Verschlagwortet mit | 9 Kommentare

nachtfahrt

es gab da diese nachtfahrt die wir machten
mit durchdunkelten scheiben vor unserer welt
stand der schmale souverän in gewürfelter haltung
ging jedes leuchten mit hoher dringlichkeit einher

die schwärze der umgebung wurde sorgsam belassen
als ein großer falter glitt die bahn in der nacht
mit flügel samt ebensolchem mangel an farbe
war wenig nur nötig damit die bestimmung gelang

bis tief in uns drinnen begann sie zu nisten
die abkunft vom schwärmer lag kriecherisch vor
und sandte gedanken die zwischen uns blieben
vom sparkurs der bahn kam ein sparring in norm

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | 9 Kommentare

larben.sunk.bewölk.

wir kraulten zwanglos den herbst, sahne und
kaffee standen strikt getrennt, trubel in schub-
weiser zufuhr hinter dem tischtuch. ein lachen
brach sich die schulter, deinen strumpf trugst

du normal. du sprachst ganz offen von einer
werft in der zeit, wetteransagen blieben mir
kitschy, bis du spurlos flüstertest, mehr kohlen-
säure als davor, bestellte ich noch mehrere

äcker innerlich, man weiß ja nie. ich sah auf
die späten armbanduhren, richtete den nach-
mittag zurecht. wir zogen uns langsam durch
die stadt, nicht ohne ziel, rundeten umwege,

hielten endlich vor einem meer aus mietspiegeln,
der marktplatz eine schlucht, üppig das blech
überall. und kein durst. klotzige bohrloch-atmo,
wo wenig hinzuzufügen. sorgen kamen gemütlich.

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Verschlagwortet mit | 1 Kommentar

[das gefühl wird nicht lose]

das gefühl wird nicht lose
lässt sich aber an verkanteten rändern umreissen
manchmal stolpert man
über einen tonfall
z.b. jemand erzählt eine geschichte
und du kommst nicht dahinter
oder du erkennst plötzlich die nuance
eines gesichts

das hat sich eingenistet
unter den leisten
hinterlässt einen eindruck
in deinen fingern wie du die kuppen
aneinanderreibst
die fühler ausfährst:
eine aufgerauhte wand ertasten
hügel, mulden, diese landschaft

als ob dir die ganze zeit schon
etwas entwischen würde
schleichst du um die menschen
wenn sie vor dir stehen
bist verschämt und denkst
du musst die ablagerungen erst zählen
wie baumringe
um sie dann schicht für schicht
abzulegen

Veröffentlicht unter Tabea Xenia Magyar, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

die erfindung des walzers

als der pastor am morgen die brote wog
wurde der walzer erfunden
figuren mit kalten zigarren und geld
fanden ihr ebenbild in einer senke
in der alles noch einmal war
wo ein einziger kaugummispucker
den lieben langen tag gnome machte und räuber
dann passierte erstmal nichts

ein held fand sich später und stolperte
fädelte ketten für seine frau
ich war manchmal ihr bruder
manchmal des pastors rechte hand
und die geschichte war bald rüber obwohl
die musik noch weiterlief

hinter den wäldern lebte zwei tiere
die fühlten sich fehl am platz
soweit ich weiß haben sie da einen baumarkt gebaut
und nach der werbung bat der schuhfabrikant für halb asien die frau die allein dieses ganze  gefängnis in arizona aufgeräumt hatte um einen tanz (obwohl sie unschuldig war) und ein wind stand auf und applaudierte

dann ging alles sehr schnell und ich platzte
mit meiner pauke rein
aber das hatte schon seine richtigkeit
jedenfalls gab es dann walzer und apfelmus
und alle wirkten wie lange vorm krieg
die räuber banden sich tücher um
und machten die sportschau an

nur dem pastor war das zuviel
er spuckte ins korn und weinte
ich schob die kiste aufs tanzparkett
und forderte ein ende
es kam in geliehnen sandalen

Veröffentlicht unter Linus Westheuser, TEXTE | Verschlagwortet mit | 7 Kommentare

tiantan-park

die mitte der welt verfehlt
unter den bäumen daneben
kein größerer unterschied
als dieser abend

die finger luftwurzelnd
über dem selben gras
im mund ein fremder
soufflierter geschmack

versteht sich halb ganz
gleich was du könntest
das einpacken es wüchse weiter
aus deinen taschen

Veröffentlicht unter Lea Schneider, TEXTE | Verschlagwortet mit | 3 Kommentare

PUBLIKATION: G13-Ausgabe der Belletristik

Wir freuen uns sehr: die elfte Ausgabe der „Belletristik“, eine Spezialausgabe für G13, ist am 24.09 offiziell vom Stapel gelaufen. Sie vereint Gedichte von Rebecca Ciesielski, Max Czollek, Paula Glamann, Helene Könau, Alexander Makowka, Tristan Marquardt, Maria Natt, Can Pestanli, Friederike Scheffler, Lea Schneider, Linus Westheuser, Ilja Winther und Nele Wolter. Anklicken, zugreifen: Die Zeitschrift kann man ab jetzt auf der neuen schicken Seite des j.frank Verlages HIER bestellen!

Veröffentlicht unter PUBLIKATIONEN | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wilhelmsburg 2011

wir besetzten die größte Insel Europas
der alte Draht unter Spannung dein Hamburg
mir Hafen im Uptodate der Netze steht Großschot
unter Wasser mitten im Zeitfenster Kreuzstrom
du lernst ihn hier besser vermessen, feuerst mit Volts
um dich, wärmst die Zukunft für Projekte auf Höhe
ganz nah dran hast du zu nisten begonnen
Mikromakromegatrends singst I’m gonna be unstoppable
zeichnest das Augustmodell des neuen Menschen

ich komme, uns mehr Funpunk auf die Brote zu schmieren
für dich goldene Zitronen mit viel Zucker fürs Ego
für meins eine Dose passierte Tomaten zu öffnen:

du weißt, ich lese Bücher über die drei K
Kunst, Kapitalismus und Bla, mein Kopf
lärmt, braucht mehr, Schwarzlicht, du
bist die beste Tänzerin, die ich kenne, willst Zeitgeist verkaufen
an Zinnsoldaten, das ist mir unangenehm, du weißt
vielleicht möcht ich dich bitten, das nicht zu lange zu tun
will es meinen, in Kreisen von Knicklichtern, und meistens auch
in meinen, sind sie Knetmasse, Funktionen, Radialsysteme
unter Vertikalantennen, ihren Formeln ins Detail zu folgen, das
lacht über ängstliche alte Intelligenz, doch ich studiere sie, manchmal
vorsichtig, finde sie, stimmig, Beats, die überhört werden, versteh mich
nicht richtig, man darf sich die Waden einkremen
gesunder Narzissmus ist nicht kränker
du hast recht, meistens lache ich auch
aber die Dinge, die mich belasten, Busse zur Vorstadt
du überholst sie jeden Tag, hast gelernt, auf dich zu achten

jetzt tanzen wir hier Hochseepolka und Kult!
das war einmal Hamburger Schule Wenn ich
ein turnschuh wär
, wenn ich ohne Stimme
spürst du den Tönen nach, sitzt auf dem Bett
dem Landgänger nach der fünften Dusche, redest Tränen zu
ich kann mich auf Dinge draufsetzen und dabei verschwinden
die dir Angst machen und mich füttern, weil du das weißt
im Matsch versinken, morgen, feierst du im Pudelclub
und gerade gehe ich auf
halte weiterhin
alle Straßen für uns frei

Following the stream up north
I learned not to
eat the snow,  whispering:
Morning, keep the streets empty for me.

Veröffentlicht unter Paula Glamann, TEXTE | Verschlagwortet mit | 2 Kommentare

kumulus.rumba.hieb.

es liegen gewitter als quasten eingekapselt
dazwischen, ihr wisst schon, da, wo ein
juster, bissig-frucht wie ein zinobel, eben
diese spitzen hüte, vorne bommeln usw.
unten, immer ich, ich, alle pommeraner
wüten ein ging-auseinander, springen ein
schlag hin und hin, wenn so der norden
dieses brustkorbs, wenn syn-spätzle trockt.

was mach ich mit so was? ausreißen? ho!
hast du die häute samt zerkaut, als diese
grauen schmalen, hart, hart, an die schale
klopften und sich mit einem mal, verdammt,
ein ganzes abendland auslief und rückwärts
tropfte, fadenweise, noch wie vorher brot,
aber jetzt bulbernd, überstürmend, fram.
wohin damit? das steht doch auf, will sehen.

dass qualm als kugel, umber pfropf gewucht,
auf asthals, hockt und dreht sich, schaut in
jede richtung: zeit und armung, schlangen fest
als aufstrich nur mit widerstand, schwer abzu-
folgen, da die welt und da der rest, dass darf
noch hand-shake auflaufend mit blassen, korkten
seilschäften, dass dem tenor, dem wer umgreift
hier was bitte, gewitter, ich-quast ausgesiebt.

Veröffentlicht unter Ilja Winther, TEXTE | Verschlagwortet mit | 14 Kommentare

versuchte eignung

die unversehentliche fügung
meiner urlaubszeit in einen buchungsplan
gewährte mir verdienst an freiem
zeitbestand den bald ich abzusitzen kam
in jener ecke meines gartens
für die dauer des beraumten aufenthalts
umspielten ranken an den streben
jener eckverkleidung bildhaft den verfall

in größter zugedachter blüte
stellte ich mit geltungsdrang das schachbrett auf
und lud die lichtgefleckten blätter
grüner windungen aus ihrem schlaf heraus
zu einem zug ein oder zweien
denn noch unbegonnen lockte die partie
die zeigen würde wieviel aufwind
abzuwickeln sei bei freilüftigem spiel

in diesem garten von bedeutung
gab es außer abgespultem blätterwerk
auch kleine graue helfertiere
rotbeschwanzt und offenkundig sehr gelehrt
verrieten sie dem spiel die herkunft
und den fortgang sah ich selber kurz darauf
als kiesel von den zinnen rollten
bauern sich entfernten von dem bauernhaus

in einem zustand von bedrängtheit
ging mir auf wie weit das mal verflechtung reicht
die mähnen fransten ob der scheitel
und die ranken kräuselten für nächste zeit
stand windungen ein ende offen
fielen schatten von dem nahenden besuch
der dame hin auf höchstes wähnen
hielt der läufer schrägheit auch für sich verbucht

Veröffentlicht unter Alexander Makowka, TEXTE | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar